Social Media Marketing mit Wiedererkennungswert

Beim Verfassen dieses Artikels zum Thema Social Media Marketing habe ich nach einem guten Beispiel gesucht, das zeigt, wie’s richtig geht. Dabei bin ich auf Filme gekommen. Es gibt viele Filme, die einen das ganze Leben lang begleiten. Für mich ist „Die Braut des Prinzen“ einer davon. Er hat vielleicht keinen Oscar gewonnen und nach heutigen Maßstäben wirken die Special Effects eher peinlich als revolutionär, aber er hat alles, was ein guter Film braucht: Action, Humor, ein bisschen Grusel, liebenswerte Helden und einen erinnerungswürdigen Schurken: Der sechsfingrige Mann. Keine Ahnung, wie er wirklich heißt – und da bin ich sicher nicht die Einzige.

Laut Wikipedia ist sein Name Graf Rugen, aber das habe ich bestimmt schon in den nächsten 10 Minuten wieder vergessen. Warum? Weil einer der Helden, Inigo Montoya, (seinen Namen weiß ich übrigens auch nach über 20 Jahren noch) ihn immer nur mit dieser Beschreibung vorstellt. Der sechsfingrige Mann. Montoya prägt die Zuschauer, sodass sie gar nicht anders können, als den echten Namen des Antagonisten zu vergessen. Er hat noch einen prägenden Satz:

„Hallo, mein Name ist Inigo Montoya. Du hast meinen Vater getötet, jetzt bist du des Todes.“

 

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Das macht SocialMedia Marketing stark:

Heute weiß ich, dass es sich hier um echt gutes Marketing handelt. Inigo verkauft zwar kein Produkt, aber eine Geschichte, die Zuschauer wie mich mitfiebern lässt. Wir fühlen mit ihm und können den Showdown mit (Na, wie heißt er noch?) dem sechsfingrigen Mann kaum abwarten. Tatsächlich ist „Die Braut des Prinzen“ nicht nur ein gutes Beispiel für Brand-Storytelling, es lässt sich ebenso gut ein Bogen zum Social Media Marketing schlagen.

Neue Werbestrategie fürs Social Media Marketing?

In Deutschland nutzen rund 40 Millionen Internet-User soziale Netzwerke, nicht nur, um mit anderen in Kontakt zu bleiben, sondern auch, um sich zu informieren – über alles mögliche. Unzählige Gruppen zu ganz verschiedenen Themen laden zum Informationsaustausch ein. Für Unternehmen bietet Social Media einen schnellen, kostengünstigen und einfachen Weg, mit den Kunden in Kontakt zu treten, sich zu präsentieren, an ihrer Reputation zu arbeiten und letztendlich auch die Verkaufszahlen zu pushen.

Jeff Furgeson, CEO bei Fang Digital Marketing, sprach bei der SMX Advanced 2018 Session über die Vorteile, die Social Media Marketing für das Content Marketing sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich hat. In bester Marketer-Manier drehte sich sein Vortrag um den Content Marketing Funnel als Werbestrategie. Awareness, Interest, Decision, Action … wir kennen das Schema und nutzen es meist auf unseren Websites und in unseren Ads. Social Media ist allerdings ein anderes Format, funktioniert anders und verlangt nach anderen Inhalten. Oder nicht? Die interessante, wenn auch gar nicht so revolutionäre Idee, die ich aus Furgesons Vortrag mitnehmen konnte: Content ist wie Cocktails. Ändert man nur eine winzige Zutat, wird aus einem Manhattan ein Martini und aus dem Martini ein Gibson.

 

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Was bedeutet das für uns Content-Schaffende im digitalen Marketing? Ganz einfach: Wir haben bereits tonnenweise gute Inhalte auf unseren Websites. Geben wir ihnen ein anderes Format, einen anderen Aufmacher, verändern nur ein kleines Bisschen, können wir diese Inhalte erfolgreich für Social Media Marketing verwenden.

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Warum Social Media nutzen?

Dass Social Media Marketing für Unternehmen wichtig ist, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Marketing: Sein Stellenwert liegt in den befragten Unternehmen auf einer Skala von „1 = sehr hoch“ bis „6 = sehr gering“ in einem relativ hohen Bereich. 30,4 Prozent der Studienteilnehmer schätzen die aktuelle Bedeutung von Social Media Marketing im Unternehmen als hoch ein, 38,0 Prozent als mittelmäßig hoch. Im Vergleich zu 2016 ist die Relevanz von Social Media Marketing noch einmal deutlich gestiegen. Und trotzdem hat die Nutzung in den vergangenen Jahren abgenommen. Dabei hat Social Media nicht nur das Potenzial, die Markenbekanntheit zu steigern und so Neukunden anzulocken, sondern auch Kunden zu binden.

Vielleicht wissen die Marketing-Verantwortlichen nicht wie oder trauen sich aus Angst vor einem Shitstorm und dessen Auswirkungen nicht an die wirklich innovativen Inhalte und Kampagnen heran, ziehen sich deshalb aus den sozialen Netzwerken zurück … Laut Studie sind die meisten Unternehmen jedenfalls mit den eigenen Social-Media-Marketing-Aktivitäten unzufrieden, wenn es um Aufbau und Pflege von kundenorientierten Beziehungen geht. Feiglinge – würde Inigo Montoya wahrscheinlich sagen und damit zurück zum sechsfingrigen Mann.

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Nicht die Brand, sondern die Zielgruppe bestimmt Content

Der spielt bei dieser Art der Marketingkommunikation eine entscheidende Rolle. Was wir von ihm lernen können? Nutze das, was in Erinnerung bleibt und versuch nicht, dagegen anzukämpfen. Wir als Experten glauben oft, dass wir genau wissen, wie die Story auszusehen hat, die wir dem User, der Zielgruppe, erzählen. Dabei sind nicht wir es, die die Geschichte vorgeben, sondern die, die wir damit ansprechen wollen. Gäbe es Inigo Montoya und seine, sich in die Köpfe der Zuschauer einbrennende Beschreibung seines Erzfeindes nicht, würde ich mich heute nicht mehr so genau an den sechsfingrigen Mann erinnern, sondern nur an einen Schurken ohne wirkliches Profil.

 

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Ich google nicht nach Graf Rugen (jJa, ich musste den Namen erneut nachschlagen, weil ich ihn wieder vergessen hatte), sondern den Mann mit sechs Fingern. Würde ich über einen Artikel mit Graf Rugen als Aufmacher stolpern, würde er mich nicht interessieren, weil ich gar nicht wüsste, wer das ist. Eine Headline mit dem Schlagwort „sechsfingriger Mann“ hingegen hätte sofort meine Aufmerksamkeit, weil ich weiß, um wen es geht und ich eine Verbindung zum Thema habe. Ich bin sofort wieder Kind, sitze vorm Fernseher, „Die Braut des Prinzen“ läuft als Video und ich bin emotional involviert.

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Direktes Feedback ist besser als jede Analyse

Genau das sollte Content Marketing und Social Media Marketing bewirken. Dazu müssen wir allerdings wissen, was unsere Zielgruppe sucht, was sie berührt und welche Geschichte sie wirklich von uns hören möchte. Dann erst macht ein Marketing Funnel Sinn. Denn ohne Awareness, also Aufmerksamkeit für den Content, lassen sich die Nutzer gar nicht erst in die weiteren Schritte einspannen. Vergebene Liebesmüh unsererseits also. Ob unsere Geschichten wirklich ankommen, lässt sich auf Social Media übrigens viel leichter und schneller feststellen als über eine aufwendige Analyse.

Social Media Marketing Content Marketing Strategie Content Marketing FunnelDie Feedback-Kultur der sozialen Netzwerke zeigt, was ankommt und was nicht. Interessantes wird gelikt, geteilt und erzielt so ganz schnell Reichweite. Positive Brandexperience schafft Vertrauen und Loyalität. Alles andere fällt hintenüber oder – wenn es besonders schlecht ist – löst einen Shitstorm aus, der eben für negative Aufmerksamkeit sorgt. Meiner Meinung nach einer der Gründe, warum wir bei Social Media Marketing meist auf Nummer sicher gehen und langweiligen Einheits-Content posten, der uns nicht weiterbringt.

Inigo Montoya würde das nicht tun. Er geht Risiken ein, ist gewieft, kreativ und (Achtung, Spoiler!) natürlich erfolgreich in seinem Rachefeldzug. Wir sollten definitiv mehr wie Inigo Montoya sein.

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