KK18

Live Pitch: Selbstironie, Bildungsauftrag, Mut

27.09.2018 - 11:11 Uhr

In Social Media hat der 1. FC Köln in der vergangenen Saison die besten Kennzahlen der Vereinsgeschichte hingelegt – trotz Abstieg. Mit viel Selbstironie ritten Tobias Kaufmann und sein Marketing-Team vom FC auf allen Kanälen durch die Schlappen auf dem Spielfeld. Doch der Lustig-Lustig-Modus hatte Grenzen: Fans beschwerten sich schon mal, weil sie das Gefühl hatten, der Verein nähme die Abstiegsgefahr nicht Ernst. „Ich würde den Traffic zu 100 % gegen den Klassenerhalt tauschen“, sagt Kaufmann trocken und überzeugend.

Das ZDF tritt mit der Facebook-Aktion #wasfuermichdeutschist an. 30.000 Menschen hätten auf den Aufruf reagiert, einige wurden besucht und befragt, neun Portraits wurden zu einer Doku geschnitten. Damit sollen die „Abschalter“ angesprochen werden, sagt Social Media-Managerin Sonja von Struve, die das ZDF via Facebook schon mal als muffiges Staatsfernsehen bezeichnen.

Die Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration startete eine Kampagne gegen häusliche Gewalt. Die Agentur xy setzte auf Frauen, die Gewalt erfahren, sich aber daraus befreit haben. Mutmacherinnen. Um den Geschichten und Bildern ordentlich Buzz zu geben, wurde auf Adbusting gesetzt: Die Gestaltung der Plakate ist der Parship-Kampagne nachempfunden und bekommt dadurch einen dramatischen Twist, der schnell viral ging. Die Kampagne hat es damit sogar bis in die Tagesschau geschafft. Besonders schön an der Arbeit: Sie basiert auf einem Workshop mit Betroffenen und sitzt deshalb auch im Detail. Befragungen von Frauen hatten ergeben, dass das Bad oft der letzte, schützende Rückzugsort ist. Deshalb wurde in Koop mit einer in Hamburg ansässigen Drogeriekette die Nummer der Notruf-Hotline auf kleinen Zetteln in Tampon-Packungen platziert. Ich lege mich jetzt mal fest: Die werden den Pitch gewinnen.