Apple ist 1A Popware

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Das PowerBook 145B von 1993, 25 MHz

Macintosh PowerBook Neunziger

Mein Geschäftspartner ist, wenn ihm etwas gefällt, Nostalgiker. Er hat in unserem neuen Labor einen 150 Jahre altes PowerBook aufgestellt. Findet er süß – und das ist es ja auch. Kein anderer PC als ein Mac würde ihn derartig sentimental stimmen. Apple hat aus Hardware Popware gemacht. Die Apfelmänner waren immer klar im Design ohne in bauhäuslerische Schmallippigkeit abzudriften. Neben Simplizität hatten Macs immer Groove, Humor und Farbe (ja, auch die grauen Geräte waren bereits regenbogenfruchtig gelabelt). Das können die, denn die sind ja Amerikaner.

Ok, die Behauptung, etwas sei popkulturell wertvoll, rangiert ungefähr auf dem gleichen Totschlagsargumentlevel wie der Vorwurf, Nazi zu sein. Aber den kassiert Apple ja fairerweise auch in regelmäßiger Wiederkehr. Alle meine Nerdfreunde finden es schick, Apple doof zu finden wg. Diktatorship. Die schreiben einem alles vor, wollen nicht kompatibel sein, zensieren Apps und nehmen 30 Prozent von jeder verkauften (äh, Amazon kassiert pro Buchverkauf 55 %), lalala. Mag ja ab und an was dran sein an den Argumenten, aber ist die Konkurrenz auch nur einen Hauch sozial entgegenkommender, fairer? Ist es nicht so, dass wir von Apple wg. gefühlter Beatlesnähe, Gutaussehertum und Juicyness einfach viel mehr erwarten? Wäre ja auch unfassbar geil, wenn die auch noch Weltrettertum praktizieren würden. Tun sie aber nicht, so what? Pop ist oft selbstsüchtig, eitel und gemein, sonst wäre es ja Attak.

Würde Apple nicht Apple heißen, dann hieße der Laden Steve Jobs. Der im Oktober 2011 verstorbene Unternehmer war einer der Gründer und langjähriger CEO der kalifornischen Techschmiede. Er gilt als einer der Vordenker der Computerindustrie – und zwar seit 1984, als er mit der Einführung des Macintosh maßgeblich für die Etablierung von Personal Computern mit grafischer Benutzeroberfläche sorgte. Jobs gelangen zahlreiche weitere Coups mit kleinem „i“ zu Beginn des Namens. Eines seiner berühmtesten Zitate: „Der einzige Weg, Großartiges zu leisten, ist, wenn ihr liebt, was ihr tut.“

Wie würde die Welt aussehen, wenn es Apple NICHT gäbe?

Kein erster iPod, in dessen Rückseite ich mich spiegeln konnte, was nicht nur praktisch zum Lippennachziehen sondern auch philosophisch betrachtet sehr hübsch war. Keine bunten Bubble-Computer, die – war das Ende der 90er? – wie Seifenblasen in den Büros landeten und genauso schnell wieder zerplatzten. Keine Gier auf Dinge, von denen wir nicht einmal ahnten, dass wir sie wollen oder brauchen könnten. Keine Gänsehaut vor Produkteinführungen. Kein iPhone, überhaupt kein (me, myself and) „i“ vor den Geräten. Kein iPad und keine lustigen, in stützende Dreiecke faltbare iPad-Abdeckungen. Stattdessen Kindle und Co., Geräte für Menschen, die die Zugbrücke hochgezogen haben und Joey Ramone für ein Deo halten. Kindle würde auch gar nicht Kind-le heißen, weil der Name ja nicht nachgemacht werden kann von App-le. Überhaupt hätten wir eben nur Geräte von Fricklern, deren Gedankensprünge mal gerade zwei Millimeter lang sind. Menschen ohne Pop.

Und, beloved Nerds, ohne Apple auch kein Lieblingsfeind.

60 Sekunden Zusammenfassung

Die enttäuschten Liebhaber sind oft die schlimmsten. Ex-Fans wie Hajo Schumacher prügeln in wiederkehrendem Turnus auf Apple ein: Die Markenführung sei diktatorisch, das Produkt überhaupt nur etwas für Angeber und seine Tage gezählt: „früher Sushi heute Arschgeweih“. Doch ist die Konkrurrenz besser? Und gehört nicht Apple in die Range des Pop, in der eine glitzernde Oberfläche, eine Prise Gemeinheit und Egoismus Qualitätskriterien sind? Und malen wir uns doch kurz einmal aus, wie die Welt ohne Apple aussehen würde? Gäbe es Kind-le ohne App-le? Und wer würde als Prügelknabe dienen im schnellen, langweiligen digitalen Alltag?