Warum heißt Siri eigentlich nicht Siggi?

Ok, im Gegensatz zu Sprachassistenten wie Amazons Alexa, Microsofts Cortana und Google Home verfügt Apples Siri seit vier Jahren immerhin optional über eine männliche Stimme. Der Standard ist allerdings auch hier weiblich. Liegt es daran, dass sich die Konstrukteure der AI-Helfer ihr Bier lieber von einem Flaschengeist wie der Bezaubernden Jeannie statt von ihrem besten Kumpel bringen lassen wollen? Selbstverständlich nicht: Die Wissenschaft sagt, dass es an den Genen liegt.

Warum sind Sprachassistenten weiblich?

Digitale Fügsamkeit von künstlicher Intelligenz ist unmännlich

Obwohl die Fantasie schon 53 Jahre alt ist, scheint sie an Attraktivität nichts eingebüßt zu haben. Am 8. September 1965 ließ Larry Hagman erstmals auf NBC den langwimprigen, blonden Geist Jeannie aus der Flasche. Der Hausgeist erfüllt fortan die offiziellen und in milder Aufmüpfigkeit auch die heimlichen Wünsche seines Meisters. Ganz wie es ihm beliebt. Und in der letzten Folge wird geheiratet. So weit muss es in der Beziehung mit den intelligenten Sprachassistenten Siri, Alexa und Cortana nicht kommen. Die weiblich intuitive Fügsamkeit der Serienfrau Jeannie ist jedoch auch 2018 sehr gefragt. Und zwar nicht, weil die Baumeister der schönen neuen Artificial Intelligence sexistisch sind, sondern weil wir, die User, eben weiblichere Stimmen als wärmer und herzlicher empfinden, genetisch-instinktiv bedingt. Das, so wird uns in zahlreichen Veröffentlichungen immer wieder eigetrichtert, belegen diverse Studien und interne Forschungen der Hersteller.

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Zeitansage: male oder female?

Von renommierten Blättern wie The Wall Street Journal wird dabei gern auf zwei auch schon recht betagte Studien verwiesen. Eine 1997 von der Stanford University publizierte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass in Mensch-Computer-Interaktionen eine weibliche Stimme bevorzugt wird, wenn es um Liebe und Beziehungen geht und ein männliches Organ gefragt ist, wenn das technische Wissen aufgefrischt werden soll. 2008 fanden Forscher der Indiana University heraus, dass Frauenstimmen von allen Probanden als „wärmer“ empfunden werden. Und was ist mit all den Inbetween-Themen wie der Order von Essen, Konzerttickets oder der Frage, wie spät es ist oder ob ein Orca auch mal friert im Wasser? Muss darauf weiblich warm oder männlich kühl reagiert werden? Und schauen wir uns mal die Maschine an, die am längsten mit uns allen spricht: das Navi. Standard ist auch hier die Frauenstimme. Doch wo man auch einsteigt, differiert der Sound mittlerweile: zwischen Lingenschem Näseln, M’Barekscher Euphorie und Rakerscher Akkuratesse ist alles möglich.

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Voice Diversity bei Sprachassistenten, weil’s spannender ist

Vermutung: Wir switchen durchs Stimm-Repertoire, weil der Standard auf Dauer zu eintönig ist. Außerdem gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass wir unsere Produkte heute zu individualisieren wünschen: die Nuss-Nougat-Crème soll den Namen des Liebsten tragen, den Turnschuh die Fellzeichnung des Katers und das Navi sprechen wie der Bademeister aus Seepferdchen-Zeiten. Dazu passt es sehr gut, dass einer der Männer, die bestimmen, wo es in der digitalen Zukunft langgeht, Marc Zuckerberg nämlich, seinem AI-Sprachassistenten Jarvis die Stimme seines Lieblingsschauspielers Morgan Freeman verpassen ließ. Und die hat bekanntlich ein sehr maskulines, tiefes Timbre.

Zitat aus der Puls-Sendung von Gregor Schmalzried am 16.2.2018

Doch dieses Rollenmodell ist keine Begründung für die weibliche Stimme unserer digitalen Assistenten. Der Hausdiener ist schließlich klassisch britisch männlichen Geschlechts, wird als Butler bezeichnet und trägt oft den Namen James. Er könnte genauso gut oder schlecht wie die Sekretärin als Blaupause für die dienstbaren Geister der digitalen Ära taugen.

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Männer sind Schweine … in der Welt der künstlichen Intelligenz

Drücken wir es etwas weniger drastisch aus als Die Ärzte: Das Böse ist männlich. Deshalb heißt die synthetische Superintelligenz in Frank Schätzings aktuellem AI-Thriller „Die Tyrannei des Schmetterlings“ nicht „A.R.I.A.“ sondern A.R.E.S. und ist ganz klar männlich konnotiert. Der exponentiell schlauer werdende Über-Rechner beginnt irgendwie, irgendwo, irgendwann in einem der zahllosen Parallel-Universen des Romans, Killer-Insekten zu züchten, die die Menschheit ausrotten. Dazu passt die Stimme von Ariana Grande eher weniger. Künstliche Intelligenzen, die ins Zerstörerische tendieren, gab es schon vor Schätzing in Film und Literatur: HAL-9000 aus Kubricks Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“, den „Terminator“ oder Agent Smith aus „Matrix“. Alle diese Tech-Typen haben es nicht gut gemeint mit der Menschheit und deshalb sollen unsere neuen kleinen Hausdiener auch nicht an sie erinnern. Wer will sich schon ausmalen müssen, was passiert, wenn die sich nachts mit der elektrischen Zahnbürste, dem Saugroboter und der Raumklima-Sensorik verbünden?

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