Tschüss Marketing!

1.200 Marketing-Mitarbeiter sind zu viel des Guten. Um profitabler zu werden, streicht der Fahrdienstleister Uber deshalb Stellen und entlässt 400 Marketers. Die Abteilung soll effizienter werden, so der Plan. Aber können wenige retten, was viele verbeutelt haben?

Uber steckt in der Krise: 

Erfolgsdruck im Marketing

Rote Zahlen, ein enttäuschender Börsengang und jetzt noch Streichungen in der Marketing-Abteilung – die Negativschlagzeilen hören nicht auf. (Nicht zu vergessen die Skandale aus 2017 rund um Sexismus, vertuschte Datenlecks und Diskriminierung.) Jill Hazelbaker, Marketing-Verantwortliche bei Uber, gibt sich zwar optimistisch, aber der Markt zweifelt immer stärker daran, ob das Geschäftsmodell des amerikanischen Unternehmens aufgeht und es trotz steigender Kosten irgendwann schwarze Zahlen schreiben kann. Ende Juni dann die Entscheidung, das Marketing-Team zu verkleinern. Die New York Times zitiert aus einer E-Mail, die Ubers Chief Executive Dara Khosrowshahi intern verschickt haben soll:

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Uber lässt klares Marketingkonzept vermissen

Ein klares Konzept klingt irgendwie anders. Uber möchte sich aber nicht weiter zu den Umstrukturierungen äußern. Für Außenstehende macht es den Eindruck, als versuche man einfach irgendetwas zu tun, ohne genau zu wissen, was es mit besagtem Edge auf sich hat und wie man ihn um Himmel Willen zurückbekommt. Vielleicht kommt er ja ganz von selbst, wenn man ihm nur genug Platz macht? Die Aufräumarbeiten, die Khosrowshahi ein paar Monate zuvor in Gang gesetzt hatte, und die für einen schnellen Abgang von COO Barney Harford und Marketing-Chief Rebecca Messina sorgten, lockten den Edge jedenfalls nicht aus seinem bis dato unbekannten Versteck hervor. Stattdessen sprangen immer mehr Uber-Chiefs über die Planke: CEO Ryan Graves, Thrive Global CEO Arianna Huffington, sowie Risikokapitalgeber und Technologieinvestor Matt Cohler. Ersatz gibt es offiziell noch keinen.

Uber entlässt Marketing Mitarbeiter

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Kein Profit in Sicht

Während der Edge wohl bald per Vermisstenmeldung gesucht wird, steuert Uber bereits auf die nächste Schlagzeile zu: Am 8. August steht der Quartalsbericht an. Schon im April 2019 veröffentlichte Uber einen rund 400-seitigen IPO-Prospekt. Darin räumte man ein, womöglich nie profitabel werden zu können: „Wir erwarten, dass wir unsere laufenden Ausgaben in der absehbaren Zukunft merklich steigern, und deshalb könnten wir womöglich keine Profitabilität erreichen.“

Kein gutes Signal für Investoren. Da war der desaströse Börsengang im Mai nicht wirklich überraschend. Von Freitag bis Montag stürzte die Uber-Aktie auf fast 19 Prozent unter den Ausgabepreis von 45 US-Dollar. Doch statt mit Einsicht reagierte Khosrowshahi mit grenzenlosem kalifornischen Optimismus. In einer Mail an die Mitarbeiter hieß es laut New York Times:

Kein Wort vom schrecklichen Timing des Börsengangs, von einer unrealistisch optimistischen Botschaft oder ernüchternden Geschäftszahlen. Man wird seinen zweifellos erfolgreichen Weg schon irgendwie gehen … Das neu strukturierte, verschlankte und effizientere Marketing-Team und das neue, erweiterte Geschäftsmodell, bei dem man inzwischen auch in Deutschland Elektro-Fahrräder und per Uber Freight auch freie Kapazitäten zum Frachttransport mieten kann, werden den verlorenen Edge schon aus seinem Versteck ziehen und alles richten. Der Silicon-Valley-Optimismus stirbt eben zuletzt.