Storytelling 2018

Es liegt nicht sofort auf der Hand, aber tatsächlich kann man aus den Funk’n’Soul-Songs von Janelle Monáe sehr viel mehr über Storytelling lernen, als in den meisten Seminaren und Workshops mit diesem Etikett. Nehmen wir nur einmal das hochaktuelle Schlachtfeld rund um die Farbe Rosa. Im Zuge der #metoo-Debatte scheinen Initiativen wie Pinkstinks, die gegen Sexismus in der Werbung und Genderkorsetts im allgemeinen mobil machen, überaus plausibel zu sein. Doch die Story, auf der sie fußen, ist schwächer als der Bizeps von Linus aus dem Peanuts-Clan. Laut deutscher Pinkstinks-Homepage geht der Gründungsmythos nämlich so:

Pink stinks! war der Ausruf einer Mutter, als nach dem Kindergeburtstag ihrer Zwillingstöchter der gesamte Gabentisch von Produkten überquoll, die allesamt pink waren. Alle diese Produkte diktierten den Mädchen nämlich, sich optisch zu verschönern und klein und niedlich zu sein.

Janelle Monáe

Feminismus in Pink

Der Logik von Pinkstinks-Aktivistinnen folgend, verdichtet sich in rosa lackierten Gelnägeln das gesamte Übel der „Pinkifizierung im neoliberalen Spätkapitalismus“. Dabei reicht schon ein lässiges Fingerschnippen, um zu zeigen, dass die Dramaturgie der Geschichte auch ganz anders aufgezogen werden kann, zu erleben im Clip zu Monáes Song „Pynk“. Die verbotene Farbe smells plötzlich like Pussy Power.

Pussy Power

Die Körperanzüge der Sängerinnen sollen tatsächlich das sein, was man so vor sich hin ahnt: samt schimmernde und sich wie Krebszangen öffnende und wieder schließende Schamlippen. Alles in XXXL und 7D. Die Zone Rosa ist selbstverständlich nicht auf den Intimbereich begrenzt. Sie quillt an allen Ecken und Enden heraus wie die Schamhaare aus dem „Sex Cells“ beschrifteten Boyslip.

Ein Filter taucht vorsorglich die ganze Welt in einen pinken Schimmer, der ausschließlich female besetzte Caddy und die Boxhandschuhe sind, ja genau.

Pinker Caddy

Girls only

In Janelle Monáes Wondaland dürfen Männer nicht mittanzen. Wozu auch? Die Kens dieser Welt haben die Tanzfläche lange genug für sich gehabt und dass es nun, wie in einer eigenen Rubrik im Pinkstinks-Blog zu erfahren ist, auch „Männer im Feminismus“ gibt, muss, gähn, nun wirklich nicht groß gefeiert werden.

Janelle Monáes Wonderland

Im Video zu Monáes „Project Q.U.E.E.N.“ wird eben dies als „Music Weapons Program“ bezeichnet, das unter weiblicher Führung künstlerisch gegen jegliche Art der Unterdrückung vorgeht. Männer dürfen mittun, wenn sie nicht groß Tamtam darum machen. Die Pinke Hölle, sie ist plötzlich das Paradies einer Sisterhood, die sehr wohl Lust auf Sexieness in rosé haben kann, ohne auch nur Ansatzweise Gefahr zu laufen, deshalb als schwach zu gelten. Alles Interpretationssache, also ganz schön harte Arbeit und die macht eben Muckies.

Janelle Monáe
CEO Wondaland Arts Society
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Die US-amerikanische Soul- und Funk-Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Tänzerin Janelle Monáe ist eine der maßgeblichen Protagonistinnen des popkulturell geprägten Neo-Feminismus. Sie verpackt ihre Songs in Geschichts-Zyklen, die gerne mal in abendfüllenden Videos erzählt werden. Ihr zweites Studioalbum wurde von Kritikern hochgelobt und als ein richtungsweisendes R&B-Werk bezeichnet. Am 27. April 2018 erschien ihr drittes Album „Dirty Computer“.

Smart und schön

Besonders toll wird diese Art der erzählerischen Wieder-Inbesitznahme einst verlorenen Terrains durch die Ästhetik der Videos und die modische Inszenierung von Janelle Monáe selbst: Es macht so viel Spaß, der Frau bei dem zuzugucken, was sie tut, schon auf der Oberfläche, die nie ins Dümmliche abrutscht. Tiefer rein geht dann der Funk und Soul und, ja, einer der YouTube-Kommentatoren unter „You make me feel“ hat völlig recht: Prince is not dead, he just became other people“. Mehr noch, er wurde eine smarte Frau. Für alle, die es noch genauer wissen wollen: Auch die Lyrics halten Stand.

Songtext: „PYNK“

Pynk like the inside of your, baby
Pynk behind all of the doors, crazy
Pynk like the tongue that goes down, maybe
Pynk like the paradise found

Pynk when you’re blushing inside, baby
Pynk is the truth you can’t hide, maybe
Pynk like the folds of your brain, crazy
Pynk as we all go insane

So, here we are in the car
Leaving traces of us down the boulevard
I wanna fall through the stars
Getting lost in the dark is my favourite part
Let’s count the ways we could make this last forever
Sunny, money, keep it funky
Touch your top and let it down
Yeah, somethin’ like that, uh
Ah, somethin’ like that, uh
Yeah, somethin’ like that
‘Cause boy it’s cool
If you got blue
We got the pynk

Pynk like the lips around your, maybe
Pynk like the skin that’s under, baby
Pynk where it’s deepest inside, crazy
Pynk beyond forest and thighs
Pynk like the secrets you hide, maybe
Pynk like the lid of your eye, baby
Pynk is where all of it starts, crazy
Pynk like the halls of your heart

So, here we are in the car
Leaving traces of us down the boulevard
I wanna fall through the stars
Getting lost in the dark is my favourite part
Let’s count the ways we could make this last forever
Sunny, money, keep it funky
Touch your top and let it down

Yeah, somethin’ like that, uh
Ah, somethin’ like that, ooh
Yeah, somethin’ like that
‘Cause boy it’s cool
If you got blue
We got the pynk

Yeah, somethin’ like that, uh
Ah, somethin’ like that, uh
Yeah, somethin’ like that
‘Cause boy it’s cool
If you got blue
We got the pynk

Pynk like the inside of your, baby
(We’re all just pynk)
Pynk like the walls and the doors, maybe
(Deep inside, we’re all just pynk)
Pynk like your fingers in my, maybe
Pynk is the truth you can’t hide

Pynk like your tongue going ’round, baby
Pynk like the sun going down, maybe
Pynk like the holes in your heart, baby
Pynk is my favourite part

Mittelfinger Video Pink