Wir wurden gehackt

Ist ein bisschen wie angeschossen werden, wenn man auf die Homepage guckt und da stehen plötzlich Postings, die keiner von uns geschrieben hat. Ein Hacker hat sich reingebohrt in unser Backend und munter publiziert, unter unseren Namen. Hendryk, unser Website-Guru, sagt, jemand muss unsere Passwörter haben. Die Vorstellung, dass die digital abgefangen wurden, wie auch immer, macht es nicht einfacher. Andererseits sind nur Al Pacino, Marlon Brando, Angelina Jolie oder Uma Thurman interessant genug, um jene Charaktere zu spielen, die es im Film wegzupusten lohnt. Nehmen wir es also als Zeichen unserer Relevanz.

Interessant, dass das sonst niemand so zu sehen scheint. Oder sind wir die einzigen Deppen, denen das passiert? WordPress gehackt? Da spuckt Google keine relevanten Cases aus. Es geht hier ja nicht darum, dass Virenpakete bei uns abgegeben, sondern Content untergeschoben wurde. Das „Chaosfon“ des CCC ist dauerbesetzt, Deutschlands Hackerzentrale macht mich also auch nicht klüger.

Vielleicht geben die platzierten Texte selbst Aufschluss? Darin geht es es um „Cisco Certification Resources“. Cisco bietet Unternehmen Netzwerk-Lösungen fürs Internet an, absolut sicher, wie im Unternehmensprofil betont wird. Spooky, sollte der Hack etwa ein undezenter Hinweis mit der Brechstange sein, dass wir Cisco-Support nötig haben? Die Angestellten bei Cisco scheinen jedenfalls zu allem bereit zu sein, wenn man sich deren Website so anschaut.

Euphorisierte Cisco Mitarbeiterin
Fotograf zur Cisco-Mitarbeiterin: „Okay, jetzt geh‘ mal die Treppe runter und sag’ ganz laut Yayyyy!

 

Nochmals euphorisierte Cisco Mitarbeiter
Voll euphorisiert vom Internet of Everything: Vier beim People Deal für Cisco

Aber auch die Texte sind krass:
„Heute sind bereits mehr als 15 Milliarden Dinge mit dem Internet verbunden das ist jedoch nur etwa ein Prozent dessen, was möglich ist. Cisco setzt sich für die weiterführende Vernetzung von Menschen, Prozessen, Daten und Dingen ein und spricht hier vom „Internet of Everything“. Für Unternehmen eröffnet das Internet of Everything nahezu grenzenlose Möglichkeiten: Durch das Zusammenspiel von Personen, Prozessen, Daten und Dingen mit dem Internet können sie Prozesse optimieren, Ressourcen effizienter als bislang nutzen und sich so Vorteile gegenüber Wettbewerbern verschaffen. Das Geschäftspotenzial, das Unternehmen aus dem Einsatz der Internet of Everything Technologie-Innovationen entsteht, beziffert Cisco mit insgesamt 14,4 Billionen US-Dollar.“

Na ich möchte mal wissen, wie die das ausgerechnet haben. Egal. Das Mission Statement erinnert mich an ein Kunstprojekt meiner Freundinnen Sabine und Vera: BENTEN CLAY, ein extrem effektiv aufgestelltes Unternehmen:

„Eingehende Marktanalysen unserer Abteilung Communications and Appropriation haben ergeben, dass es keine präzisere Formulierung der Unternehmenspolitik von BENTEN CLAY gibt, als die der führenden Spitzenunternehmen Deutsche Bank und BASF. Wir sind sehr stolz, dass wir mit diesen Top Global Playern einen Leitbild-Franchise-Vertrag abschließen konnten …“.

Ich verziehe mich jetzt mal aus dem Internet of Everything, gehe mit Freunden ein Bier hacken in der Gewissheit, eine gute Story mitzubringen.

Immerhin.