BCM 2018: das große Resümee

Keine Zeit? - Kurze Version lesen

„Hier ist man ja eigentlich Avantgarde, wenn man keinen Preis bekommt“, kommentierte ein Zuschauer süffisant das hohe Personenaufkommen auf der Bühne.  In der Tat: Im Bemühen, die Vergabe von 67 Awards in 59 Kategorien beim Best of Content Marketing (BCM) zu straffen, wurden die Gewinner der Oberkategorien jeweils gemeinsam auf die Bühne gebeten. In einem Segment wie „Magazine B2B“ gab es sieben Gold-Gewinner, die mit mehreren Leuten aufs Podium stiefelten. Kein Wunder, dass es im Rampenlicht zu Gerangel kam und CMF-Geschäftsführer Michael Höflich kurzzeitig den Überblick verlor. Den BCM-Pflasterstein mit ausgestreckten Armen über die Bühne tragend und mit einem lächelnden „Einen hab’ ich noch“, suchte er im Pulk ein uns andere Mal nach dankbaren Abnehmern. Die konnten ihre fünf Sekunden Ruhm dann nicht so wirklich auskosten. Und die Nominierten gingen gleich ganz unter.

Ja, wo laufen sie denn?

Peter Matz von thjnk  (oben mittig im Bild zwischen CMF-Vorstand „Bewegtbild“ Holger König, links, und CMF-Geschäftsführer Michael Höflich), im BCM-Vorstand für „Awards & Conferences“ zuständig, hatte die an sich gute Idee, die jeweilige Shortlist als Überblicks-Visual einzublenden, auf der alle Arbeiten versammelt sind. Auf diesen Charts kamen die Arbeiten dann aber viel zu atemlos und briefmarkig rüber, als das man die eigene und andere Arbeiten hätte erkennen können. Da blieb leider nichts haften. Einzig die Gewinner, die in einer Oberkategorie die meisten Jury-Punkte einsammeln konnten, wurden in Extra-Videoeinblendungen präsentiert. Die Qualität der Filmchen war, ähem, allerdings schwankend. Einige Unternehmen hatten leider nicht die Souveränität, ihre Selbstdarstellung hinter die des eigentlichen Projektes zu stellen.

CMF: Family rules okay

Aber was soll’s: So kurz war noch keine Trophäen-Verleihung des BCM und schließlich war es heiß in Wien und alle hatten Durst, Hunger und Lust, plaudernd zu rekapitulieren. Der optimale Ablauf der Zeremonie kann ja noch in aller Ruhe fürs nächste Jahr ausgetüftelt werden.

Das Feiern war dann auch sehr schön. „Ich mag diesen Verband einfach. Im Vergleich zu dem ganzen Werber-Gedöns geht es hier familiär und auf eine lässige Art kollegial zu“, ließ ein sehr aufgeräumter Lukas Kircher wissen. Und traf es damit ziemlich genau.

 

220, 3, 781, 250, 67 + 1

Noch ein paar Zahlen gefällig? Insgesamt 220 Juroren hatten im März und April auf drei Sitzungen 781 Einreichungen begutachtet, 250 davon auf die Shortlist gesetzt und 67 Gold-Kandidaten gekürt. Wie immer räumten C3 und Territory die meisten Preise ab, Goliath & Goliath reichen aber eben auch immer am meisten ein.

Ach so: Wir freuen uns auch über Gold (siehe oben, links die überaus charmante Marie Voss, OTTO-Projektverantwortliche). Soulfully hat abgeräumt. Unseren Fame-Moment hatten wir allerdings nicht auf der Bühne, sondern auf der Treppe. Zwischen zwei Etagen sprach uns eine überaus aparte Frau an: „Seid Ihr nicht die Band vom letzten Jahr? Spielt ihr diesmal wieder?“ Geht mehr, als als „DIE BAND“ in Erinnerung zu bleiben? Wohl kaum.

Und der Kongress?

Alles, was wichtig war, kann unserem Lifeticker entnommen werden. Auch unser Projekt „Männer in Ketten“ kann man sich dort anschauen. Einige CMF-Boyz in Chanel, nicht versäumen! Bereits an dieser Stelle sei verraten: Von den 14 Rednern war Iskender Dirik  (oben), CEO bei Microsoft ScaleUp, der Beste. Inhalt und Performance: eine glatte Eins. Mit seinem Vortrag „The Future of AI-driven Marketing“ nahm er die Teilnehmer des BCM, wie angekündigt, mit auf eine Reise in das Jahr 2028. Dort entwarf er den AI-geprägten Tag eines Marketers der Zukunft. Die Audience konnte bei Dirik, das der besondere Kniff seines Vortrags, nie ganz sicher sein, ob er es ernst meinte oder ironisch. Und genau in diesem vagen Zwischenreich entstehen doch die besten eigenen Gedanken.

Iskender Dirik
CEO Microsoft ScaleUp
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Fan ist eine zu lasche Bezeichnung für Iskender Dirik. Der Mann ist „design maniac“, „startup fanatic“ und „technology freak“. So steht's jedenfalls auf seinem Pinterest-Account, dem 295.000 Leute folgen. Geld verdient er allerdings woanders: Der 36-Jährige ist als VC-Investor unterwegs, war bis April 2017 Managing Director bei Bauer Venture Partners und ist heute CEO bei Microsoft ScaleUp. Voller Leidenschaft denkt er den AI-getriebenen Alltag im Marketing-Business weiter und nimmt uns in Vorträgen mit auf seine Reise.

Und morgen?

Wir haben Michael Höflich, Geschäftsführer des Content Marketing Forums (CMF), noch um einen Ausblick gebeten.

 Wo siehst Du den BCM in 10 Jahren, Michael?

„Ich hoffe natürlich, dass sich der BCM zum größten und schönsten und inhaltlich anspruchsvollsten Marketing-Award der Welt entwickelt … Im Ernst: Ich glaube, dass sich die Kategorieneinteilung und die Unterscheidung in verschiedene Medienformate weitestgehend auflösen wird. Entscheiden wird sein, wer in der jeweiligen Zielgruppe die relevanten Inhalte am besten und wirkungsvollsten aufbereitet – egal, ob das über ein Magazin, ein Video oder über eine Audioausgabe aufgrund einer sprachgesteuerten Suche passiert.“

Schöne neue Zukunft – wir freuen uns drauf.

60 Sekunden Zusammenfassung

Auch 2018 wurden wieder (zu?) viele Awards beim Best of Content Marketing verliehen. Die Zeremonie war in diesem Jahr schneller als sonst, man setzte auf Zusammenfassungen, nur leider bekamen die Gäste keinen wirklichen Überblick über das Niveau der Nominees. Auch wenn die Gold-Preisträger im Tempo des Geschehens ihren Moment of Fame kaum genießen konnten, war das Event ein Erfolg – die Branche ist einfach wahnsinnig nett und man weiß zu feiern. Den besten Vortrag des mit 14 Sprechern üppig besetzten Kongresses zur Preisverleihung lieferte  Iskender Dirik ab, CEO bei Microsoft ScaleUp. Mit seiner „The Future of AI-driven Marketing“ betitelten Keynote nahm er die Teilnehmer mit in ein Marketing-Szenario 2028 – und ließ in der Schwebe, was davon ernst und was ironisch gemeint war.