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W 25, L 32 28. Juni 2011

Klar will man in erster Linie dafür geschätzt werden, besonders schlau zu sein. Messerscharfer Verstand und so. Eines der besten Komplimente, die ich jemals erhalten habe, geht trotzdem so: „I love the way your body curves.“ Fiel mir sofort wieder ein, als Levi’s im Spätsommer 2010 die Curved ID auf den Markt schmiss.
„W 25, L 32, Bold Curve, skinny“ lauten seither die Koordinaten des customized me. Fühlt sich tatsächlich so an, als hätten die mich in eine blaue Flüssigkeit getaucht, die sich beim Trocknen mit dem Körper zu Jeans verbindet. Kein blöde am Rücken abstehendes Bund mehr. Die beste Jeans, die ich je hatte. Wenn ich sie ausziehe und vorm Bett liegenlasse, habe ich immer das Gefühl, irgendwas von mir ist noch drin. Ein bisschen Seele? Zeichne mich in ihr ab, wie die Schlange in ihrer verlassenen Haut. Liegt auch daran, dass der Stoff sehr dünn und irgendwie stretchy ist.

Umberto Eco sinniert im Text Lendendenken über sich und seine Jeans (danke fürs Ausbuddeln, Mahret). Der Mann, der das Focaultsche Pendel geschrieben hat, im Jeansshop? Na egal. Er schreibt, das Tragen der Jeans zwinge ihm eine Haltung auf, mache ihn zivilisierter und reifer. Bei mir ist es das genaue Gegenteil. Meine Curved ID beamt mich zurück ins MmmBop-Stadium. Muschelplättchenkettendasein. Domestizierung bitte draußen bleiben, passt heut wirklich nicht mehr rein, Zähmung dann wieder ab morgen, versprochen. Trage in dieser Verfassung lieber keine Jeansshorts.

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