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That’s on watson! 26. Juni 2014

Watson Newsportal Schweiz Screenshot

Die Kollegen von watson, dem neuen Newsportal der Schweiz, sind oft und gern erstaunlich auf den Punkt. Insbesondere dann, wenn sie lustig werden. Niemand ist im Rahmen der ESC-Berichterstattung darauf gekommen, Conchita Wurst als Sissi 2.0 zu bezeichnen. Die Watsons schon.

Was das überhaupt ist

Unschwer zu erkennen, dass der Name des Portals vom englischen „What’s on?“ abgeleitet ist. Ein Kriterium für einen guten Namen ist ja immer, ob man ihn spontan gern in den Mund nimmt. Das ist bei Watson der Fall, wohl auch, weil beim Denken an Holmes Assistent immer auch der „Eigentlicher Held“-Bonus wie bei Ringo und Konsorten mitschwingt. Und Dr. John H. Watson weiss eben nicht immer schon alles wie Sherlock und muss mit Infos versorgt werden. Diesen Dienst übernimmt die Züricher Onlinezeitung seit Ende Januar. Dem 57-köpfigen Team, hübsch anzugucken in Mitarbeiter-Gifs steht der Verleger Hansi Voigt mit seiner Fixxpunkt AG vor. Voigt ist der ehemalige Chefredakteur des Online-Ablegers der Gratispostille „20 Minuten“. Die Anschubfinanzierung von 20 Millionen Franken übernahm laut Wikipedia der Aargauer Verleger Peter Wanner und dessen AZ Medien.

Wie man das finden kann

Also ich find’s spitze. Erst einmal kommt das Portal klar strukturiert und saftig bebildert daher. Sieht ein bisschen aus wie eine Kreuzung von 20 Minuten online, Bild.de und Vice.com. Die Heads sind schnell, so als würde ein kluger Kumpel einem das Thema mal eben zurufen. Und es ist oft gleich jener Dreh drin, der einer Meldung Perspektive gibt und erwarten lässt, dass man sich um eine eigene Erzählweise bemüht. Auf eine klassische Ressortstruktur wurde verzichtet, navigiert wird via Tag-Cloud. Um den Nutzer bei der Stange zu halten, spielt man lieber mit Formaten. Mit Typen-Tests etwa, wie der sehr aufschlussreiche Tarantino-Charaktertest.

WatsonTarantino

Das Newsticker-Design setzt neue Standards und inhaltlich werden echte Schätze geborgen. Schöne Idee auch, dass WM-Muffel auf der Startseite die Möglichkeit haben, die üppige WM-Berichterstattung wegzuklicken. Wie es sich für ein zeitgemäßes Webmag gehört, wurden auch Blogs eingebunden. Mein Liebling: das Hipsterlitheater von Rafi Hazera.

WatsonHipsterlitheater

Ein Gimmick aus Rafi Hazeras Watson-Blog, dem Hipsterlitheater

Neben ihm bloggen auch andere Hochkaräter, etwa Ex-„Titanic“-Chefredaktor Leo Fischer, der den Deutschen in der Schweizer Diaspora „Briefe von der Heimatfront“ schickt. Auch bei den Blogs gilt: Aufs Format kommt es an. „Der Enthüller“ etwa verbeitet in seinen Posts konsequent Falschmeldungen wie „Kampf dem Übergewicht: Facebook und Instagram verbieten Food-Bilder“. Nett. Eine Koop mit Spiegel online versort das Portal zusätzlich mit Premium-Content. Man darf sich bei Watson aus einem Pool von Artikeln der deutschen Kollegen bedienen.

Werd unser Komplize, Honey

Kein Newsportal zieht die Share-Funktionalitäten so konsequent über die Seite wie watson. Und 
wer einen Kommentar schreiben oder auf eine Umfrage antworten will, muss ein Nutzerprofil eröffnen. Über Reaktionen auf eigene Aktionen wird man im Bereich „mein watson“ benachrichtigt. Alle Sozialen Netzwerker wissen, dass es gar nicht so leicht ist, auf diese persönlichen Benachrichtigungen nicht zu reagieren. Randgeplauder ist doch immer noch eine der liebsten Ablenkungsformen und nur einen Klick entfernt. Das schraubt selbstverständlich eine der Internet-Währungen, die Verweildauer auf der Seite, in die Höhe. Haben sich die Watsons gut abgeluschert von Facebook et. al.

Kann mir gar nicht vorstellen, dass das Ding nicht zu fliegen beginnt. Ist wirklich intelligent ausgetüftelt und bis ins Detail auf den Schirm dekliniert. Die eine oder andere Spielerei nervt – aber man ist bei Watson ja offensichtlich in der Lage, Sachen, die nicht performen, einfach rauszuschmeißen.

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