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Schreiben ohne Knochen 15. April 2013

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Ist der Löwe vielleicht eigentlich auch Vegetarier und weiß es nur nicht?

Las kürzlich etwas über Vegetarismus bei Kindern in der Süddeutschen. Autorin Casati ging ganz selbstverständlich davon aus, dass man den kleinen tierlieben Gören irgendwann erklären müsse, was in der Bolognese ist. Und hängte an dieser vorausgeschickten Notwendigkeit die Relevanz ihres Textes auf. Äh. Wo lebt die denn? Meine Kinder mögen Tiere, wollen unbedingt nen Hund, ne Katze oder wenigstens ne Wüstenrennmaus. Haben aber überhaupt kein Problem damit, beim Griechen Souvlaki statt Brokkoliauflauf zu bestellen. Und die wissen ganz genau, was von was kommt. „Oh, das ist Lamm?“, guckt meine 10-jährige Tochter bedauernd auf ihre Gabel, um dann seufzend den Fleischbrocken in den Mund zu schieben.

Oder die Löwenfütterung im Zoo. Da landen ganze Kaninchen mit Fell in der Aluschütte, das knarzt und knuspelt ganz schön laut, wenn die Löwin denen den Kopf abbeißt und darauf rumkaut. Unsere Tochter Fanny, 4, wollte das unbedingt ganz genau aus der ersten Reihe sehen. Mitleid mit der Beute kennt sie nicht, woher auch: „Die sind doch schon tot.“ Löwe ist jetzt ihr neues Lieblingstier. Seine Kinder muss man erst mal kennenlernen, da sind wir immer noch dabei.

Woher kommen Leute wie Casati bloß auf ihre Weisheiten? Warum sich derartigen Feelgood-Journalismus reintun? Ungenaue Texte, die auf einer schlampigen Beobachtung des bechamelartigen Mittelschichtsalltags basieren – und diesen dann wieder zementieren. Boa, finde nur ich das bOOOOOOring?

Hatte nie Lust auf diese Art des Schreibens – und wir sprechen hier von der Süddeutschen, einem Topblatt. Hatte immer Probleme mit Zeilenvorgaben und damit, dass offene Recherche eigentlich nie so richtig gefragt war. Woher sollte ich denn vorher wissen, ob bei was 50 oder 600 Zeilen rausspringen? Hatte auch oft keine These, wenn ich mit ner Frage loszog. Nur Neugier. Da ich lustige Fragen hatte, zog ich oft los. Und hatte dann mit Redakteuren Ärger, die sich einbringen wollten. Zu viel Trouble für zu wenig Geld. „Redakteure, die im Corporate Publishing tätig sind, reizen vor allem die höheren Gehälter. Diesen ersten Eindruck vermittelten Leitfadengespräche, die das Forscherteam der Universität Hamburg mit vier Akteuren führte.“ Das ist aus einer Untersuchung zu „PR im Journalismus“. Mehr Geld ist kein Argument für Glückliche. Aber ich war halt nicht glücklich, da wechselt man dann ohne große Flennerei die Seiten.

Ein Kommenatr

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