CP-BLOG

Schöne Dinge, schrecklich Recht 15. Februar 2017

Phily2

Die Sonne scheint in der Stylemetropole Hamburg, da wachsen die Haare gleich schneller. Das gute Gefühl im Nacken möchte ich mit Euch teilen. Euch, die noch Blogs lesen und beim Leeren des Papierkorbs immer die Lauscherchen aufstellen, um ja das Knüllgeräusch nicht zu verpassen.

1 Jussi Pöllänen

Jussi Aufmacher

So eine Profilzeile hätte ich auch gerne:
„Jussi, wochentags Metallarbeiter, verwandelt sich an den Wochenenden in einen Straßenfotografen. Sein Hobby ist relativ jung aber leidenschaftlich.“ Pöllänen wohnt in Helsinki, wo wir Anfang März für mehrere schöne Geschichten unterwegs sein werden. Wir engagieren den Mann, keine Frage. Er hat Auge und wir wollen schließlich auch was erleben.

2 Walrus Bar

Walrus

Wo wir schon bei relativ jung sind. Die Walrus Bar ist noch nicht allzu alt und schon unverzichtbar für eine wie mich, die eigentlich nichts in ihr Bier oder meinetwegen auch in den Wein gepanscht haben möchte. Klare, reine Getränke finde ich richtig, selbst Apfelschorle leuchtet mir nicht ein. Aber diese Cocktailbar ist auf eine Art expertisch, für die ich anfällig bin. Die Barmixer tragen Schürze und agieren ernst, hingebungsvoll und überaus freundlich. Gern kommen sie der Bitte „Überrasch mich mal“ nach und landen, zumindest bei N = 1, immer einen Volltreffer. Dabei ist es doch gar nicht so leicht, einen Drink „bitte würzig aber nicht überambitioniert, Alkoholart egal“ hinzubekommen. Lieblingsgetränk von der Karte: Capote. Was man dann auch gerne mehrmals wiederholt: „Noch einen Capote, bitte“. Ja, davon könnten wir mehr vertragen. Vor dem Walrus war an gleicher Stelle eine Kaschemme mit dem Spitzenkneipennamen „Na und?“. Das erklärt auch die Wahl der neuen Betreiber, die ja in Dude-Sprech und auf flossige Art das gleiche meint.

3 Wann strahlst Du?

Wo wir schon bei echt, hart und herzlich sind. Jacques Palminger ist ja, wie jeder weiß, der Ringo von Studio Braun. Zusammen mit Aerobique hat er viele schöne Songs aufgenommen, unter anderem den hier, der – das kann man ja nicht über viele Musikvideos sagen – durch die Bilder noch verstärkt wird. Schade, dass wegen dem doofen Strunk-Buch da jetzt natürlich alle „Goldener Handschuh“ denken. Dabei sind das Bilder aus einer Zeit, in der für viele tatsächlich „Durst ist stärker als Heimweh“ galt, weil die permanent Verdrängungsarbeit in Alk leisten mussten, um das Leben irgendwie auf Oberkante Unterlippe zu halten. Wenn ich eine Tanzbar eröffnen würde, hieße sie „Hanseatique“.

4 Philadelphia

Phia

Nicht der Pudel ist die Elbphilharmonie der Herzen, die Elbphilharmonie selbst ist es. Wie man hört, ist ihr Sound überaus hart und perfekt. Zu sehr, wie etliche Krittler meinen, die wahrscheinlich auch Mischgetränke mögen. Dabei darf man sich über strenge Konsequenz doch nicht wundern, wenn man mit der Konzeption des Klangs einen Japaner betraut. Yasuhisa Toyota steht für präzise Akustik, die bis zu den billigsten Plätzen reicht. Ich werde mich am 30.3. selbst von der akustischen Qualität überzeugen, denn einer meiner Helden ist in der Stadt: John Zorn tritt mit einem Marathon-Projekt im Großen Saal auf. Zuletzt sah ich Zorn in der Fabrik mit einem japanischen Schreipunk. Was auch überaus hart und perfekt war und meiner Meinung nach gibt es daran auch überhaupt nichts zu kritteln.

5 Straße

Manchmal bin ich traurig, dass Rio Reiser tot ist. „Lass uns das Ding drehn“ ist einer meiner Alltime-Favourites und auch Straße finde ich toll, weil so viel Recht haben nirgends so leicht ums Eck kommt wie bei ihm. Ist immer so „Oh-Champs Élysées“-Fingerschnippen. Ok, das Video binde ich hier nicht ein, weil es nicht schön ist. Da hatte er einfach die falschen Berater. Die Verlinkung reicht: Also bitte Augen zu und Lauscher aufgestellt.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • (wird nicht veröffentlicht)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>


9 − zwei =