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Paterson: Fünf Dinge, die letztens schön waren 28. November 2016

Heute erzähle ich die fünf schönen Dinge in einem, dem Film „Paterson“. Gerade zurück aus einem Kloster hat mir dieser Film den Übergang in das städtische Leben sehr erleichtert. Verwirrt haben mich die Besprechungen. Ich glaube nicht, dass die Rezensenten voneinander abgeschrieben haben. Die vielen fast identischen Formulierungen und Eindrücke kommen wohl eher zustande, weil der Blick der Berufsgucker sich angeglichen hat. Das ist interessant, weil der Film genau das Gegenteil dieser Egalisierung der Welt ist.

1 Der Ort
Jim Jarmush zeigt uns einen Ort, in dem es kein McDonalds gibt, keinen Apple Store, kein 7Eleven. Überhaupt gar nichts, was es überall gibt. Gezeigt wird nur das Spezielle: der örtliche Wasserfall, das Licht auf den Fassaden, selbst die Werbung ist rührend lokal. Der Held heißt wie der Ort. Er ist geprägt von seiner Geburtsstätte. Deren Charakter bewahrt er, indem er die Geschichten der Einwohner sammelt. Nur wer diese Traditionslinien kennt, kann Zugehörigkeit aufbauen. Wenn alles theoretisch überall sein könnte, gibt es nichts, wo ich andocken kann. Das lernt man gleich zu Beginn des Films.

Paterson1

2 Das Wort
Paterson lebt glücklich zusammen mit Laura, einer Frau, die es schafft, Schwarzweiß bunt aussehen zu lassen. Er fährt Bus und schreibt Gedichte. Seine Tage haben einen klaren Rhythmus. Er konzentriert sich auf das, was er vor Augen hat und findet die Poesie im Alltag.

3 Das All
Verreisen muss er nicht, denn die Welt kommt zu ihm: durch seinen indischen Kollegen, den schwarzen Nachbarn, den japanischen Touristen. Sie alle fordern eine eigene Art ein, auf die ihnen Respekt zu zollen ist. Bezugsgröße ist dabei immer der Ort, in dem sie sich treffen. Selbst die Fahrgäste seines Busses sprechen ausschließlich über Paterson, die Menschen, die von hier stammen und das, was ihnen hier passiert. Und obwohl der Rahmen streng abgezirkelt ist, hat alles ganz selbstverständlich eine universelle Dimension.

4 Die Freiheit
In der Eckkneipe geht es um die großen Themen wie Sinn, Mut und Liebe. Darum, dass jeder in erster Linie erst einmal vor sich selbst bestehen muss. Und wenn eine Frau wie Laura, die aussieht wie ein wild gelocktes Mogli-Mädchen, glaubt, dass sie mit der Gitarre aus dem Internet zum Country-Star werden kann, dann sagt das eine Menge aus über das Vertrauen, das sie dem Möglichkeitsraum USA schenkt. Das Land der Freien verwirklicht sich hier auf dem Bauernmarkt, im Waschsalon und auf der Straße.

5 Die Liebe
Alle Menschen sind besonders, auch und gerade wenn sie ganz normalen Jobs nachgehen. Alle sehen auch besonders aus, kultivieren das, was Laura „meinen starken visuellen Stil“ nennt. Und dieser Stil ist das genaue Gegenteil von Menschen wie Melania Trump, die aussehen, als kämen sie aus einem Mixer. Alle Eigenheiten und Kanten sind geschreddert zu einer möglichst glatten Oberfläche. Gib mir soviel Barbie wie möglich. Bitte sehr. Die Herkunft solcher Menschen ist nicht mehr erkennbar. Warum auch.

Für unser Glück, dass zeigt der Film auch, sind wir zunächst einmal selbst verantwortlich. Dann was braucht es dazu im Leben? Vorallem einen, der Dich liebt. Und Offenheit für poetische Konstellationen. Einmal wird Paterson von einem Mädchen gefragt, ob er Emily Dickinson mögen würde. Mein Lieblingsbuch von ihr heißt „Das Haus der Möglichkeiten“. Das haben sich Paterson und Laura gebaut und entdecken selbst in einer kleinen Streichholzschachtel wie groß die Liebe ist.

 

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