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Olympia gucken und lernen 12. August 2016

Aufmacher

Rudern, Fechten, Synchronspringen, Ringen – wenn Olympiade ist, gucke ich alles gern. Die einzige olympische Disziplin, die ich ein kleines bisschen sinnlos finde, ist Fußball. Aber auch nur ein bisschen. Die Vorstellung, dass Menschen im Dunklen jahrelang bitterhart trainieren, um dann endlich bei Olympia im Licht zu agieren, rührt mich. Die strengen sich total an und es geht eben nicht vorrangig ums Geld dabei. Rational betrachtet stehen die Qualen nämlich bei fast allen Randsportarten in keinerlei lohnenden Verhältnis zum Ertrag. Reich ist da nicht das neue schlau. Es erinnert mich immer an die Leute, die im Kaifu-Bad den Sprungturm hochklettern, um das erste Mal 10 Meter runterzuspringen. Die bevorstehende Überwindung ist ihnen in den Körper geschrieben. Und sie tun es trotzdem. Und fragen sich in dem Moment eben nicht, was sie wohl davon haben. Dafür spiegeln ihre Gesichter beim Auftauchen nach dem Sprung alles Glück der Welt.

Dieses Mal kommen bei Olympia zusätzlich noch viele Themen dazu. Warum sind die Verletzungen so heftig und so häufig? Werden sie einfach medial besser dokumentiert und gestreut? Sowas wie den Unterschenkelbruch des französischen Turners Samir Ait Said oder der schlimme Sturz der niederländischen Radfahrerin Annemiek van Vleuten, der ja schon Hüft- und Schlüsselbeinbruch zweier männlicher Radler an gleicher Stelle vorausgegangen waren, gabs doch sonst immer nur ein einziges Mal? Oder stimmt das gar nicht? Ist das der Red-Bull-Moment, der da greift? Die Bereitschaft, unter Medien- und Markendruck kompletto über die eigenen Grenzen und in die rote Sphäre zu gehen, in der das Leben aufs Spiel gesetzt wird? Komm, eine Stufe geht noch?

Und dann das Beachvolleyball-Match der deutschen Frauen gegen die Ägypterinnen.

Die Spielerinnen aus Ägypten, Doaa Elghobashy und Nada Meawad, traten in schwarz-türkisen Tights an, die Arme und Beine und sogar das Haupt bedeckten – wegen ihres muslimischen Glaubens. Ihnen gegenüber standen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst in den schlecht geschnittenen, knappen Bikinis, die in diesem Sport üblich sind. Beim Zusschauen kam man nicht umhin, die strenge Coolness des Outfits der Ägypterinnen zu goutieren. Man darf das ja nicht gutfinden heutzutage, wo alle immer weniger anziehen und sich temporär bei Olympia auch schon mal Werbebotschaften auf die Haut tätowieren ließen. Aber spätestens in dem Interview, in dem die deutschen Beachvolleyballerinnen mit den Merchandise-Puppen von sich selbst konfrontiert wurden, war klar, dass hier in Sachen Körperwahrnehmung auch nicht alles rund läuft. „So einen Bauch habe ich doch nicht“, war da als typischer Kommentar einer Frau zu hören, die ständig Panik davor hat, als zu fett zu gelten. Also durchaus repräsentativ für etwa 90 % der weiblichen deutschen Bevölkerung.

Und dann das Synchronspringen der Frauen vom Drei-Meter-Brett.

Gewonnen haben das die Chinesinnen Wu Minxia und Shi Tingmao. Die 30-Jährige Wu hat sogar als erste Wasserspringerin zum vierten Mal nacheinander eine olympische Goldmedaille in einer Disziplin gewonnen. Sehr beachtlich, möchte man meinen. Gezeigt wurden dennoch nach dem Wettbewerb fast ausschließlich die Gewinnerinnen der Silbermedaille aus Italien. Tania Cagnotto und Francesca Dallape sind eben Blondinen, wie sie im Buche stehen und die Kameraleute eben Brasilianer. Das liegt alles so auf der Hand, dass man es kaum erwähnen mag, wäre es nicht so beschämend.

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Und dann Timo Bolls überraschendes Aus gegen den Nigerianer Quadri Aruna.

Der stand wie kaum ein anderer Tischtennisspieler an der Platte: Mächtig wie ein guter Torwart wirkte er dort, der in jeden Ball sprintet und ihn mit doppelter Wucht zurückschlägt. Ihm war in jedem Moment ein Hechtsprung zuzutrauen. „Unorthodox“ fand das Boll. Ich fand das einfach nur logisch, denn auch ich tobe mich beim Tischtennis immer total aus und schwitze wie verrückt. Was bei Boll und den erfolgreichen Chinesen, die in eleganten Pinselstrichen die Platte umkreisen, nie zu beobachten ist. Nun stand das erste Mal ein Afrikaner im olympischen Tischtennis-Viertelfinale, einfach, weil er sein Ding durchgezogen hat. Sehr schön. Da macht es auch gar nichts, dass der Chinese Ma Long ihn im Viertelfinale wegfegte und schließlich auch Gold im Einzel holte. Das Unerwartete hatte diesmal trotzdem im Tischtennis gesiegt, auch weil der schon 40-Jährige Wladimir Samsonow Vierter wurde.

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Und dann die erste olympische Medaille ever für die Rebublik Fidschi.

Fidschi gewinnt Gold im Rugby – toll, toll, toll was ich dabei alles gelernt habe. Erstens (etwas peinlich): Dachte immer, die Fidschianer (von denen ich auch jetzt erst weiß, dass sie nicht Fidschis oder so heißen und dass sie Fidschianisch, Fidschi-Hindi und Englisch sprechen. Autokennzeichen:FJI) seien irgendwie alle klein und handlich. Mit so baumlangen, muskelpepackten Kerlen hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Wie gut, dass man durch Olympia die Welt besser verstehen lernt.

Apropos gut und schön: Die Bebilderung dieses Textes besteht ausschließlich aus Bitmojis von mir. Snapchat macht damit gerade alles richtig. Längst schon hätte ich die App, die ich nur zu Studienzwecken ausprobiert habe, deinstalliert. Nun tue ich es nicht, weil ich dauernd Bitmojis verschicke, die wirklich zu jeder Lebenssituation passen. Und eine Olympia-Edition kam ungefragt und pünktlich zum Start der Spiele aufs Handy.

Nun geht es aber ab in die Wellen, einem Sport frönen, der vielleicht 2020 in Tokio auch olympisch wird (wenn es so kommt, werde ich auf j-e-d-e-n Fall vor Ort zuschauen):

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9 − = sechs