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Keine fürs Nischerl: Christine Nöstlinger 16. Dezember 2014

ChristineHeut morgen konnte ich mich vor lauter Glück nicht bewegen. Aus dem Autoradio kam eine Stimme wie ein Blechscharnier, das ein Leben lang nur kubanische Zigarillos geraucht und auch sonst aufs Morgen geschissen hat. Und was die Stimme sagte, übertraf noch ihren Klang: „Ich werde mich niemals in das Innenleben eines sportiven Kindes versetzen können“, „Bin niemand, der andere erziehen oder ihnen etwas verbieten kann. Dabei käme ich mir völlig vertrottelt vor“, „Verstehe immer alle. Das machts für mich nicht leichter. Aber für die Anderen schon“.

Die Stimme gehört Christine Nöstlinger, deren Bücher ich und – gottlob – auch alle meine Kinder ausnahmslos lieben. Nöstlinger ist Auflagenmillionärin, was mich entzückt weil es ja so selten ist, dass Genie vom Mainstream verstanden, gekauft und ins Herz geschlossen wird. Es ist ihr Naturell, die tiefsten Abgründe ausloten und doch nie humorlos sein zu können. „I wander eh net aus“, sagt die Haider-Verächterin und Politikverdrossene, denn ihr Kiez ist ihr Clan ist ihr Hafen und warum sollte es irgendwo anders besser sei, wenn man mit Röntgenblick unterwegs ist. Sie wechselt in Sekundenschnelle von Bauarbeiter zu Ballerina:

“Es stemmt im roten Hausmantel / ein Leichtgewicht von Maus Hantel.”

Das Schwere und das Leichte kuscheln sich bei der Frau vom himbeerroten Horizont dicht aneinander. Deshalb ist es auch ungehörig, lange im Jammertal zu hocken und den nächsten Witz zu verbocken. Und obwohl hier die Tage PiffPaffPow ist und die WLB (Worklifebalenciaga) gegen Null tendiert, ziehen Dinge, die passieren, eben zwangsläufig andere Dinge nach sich. Was wäre ich für eine Schleimschleuder, wenn ich nicht die Zeit aufbrächte, darauf hinzuweisen, dass das beglückende Nöstlinger-Interview auf Deutschlandradiokultur noch nachzuhören ist.

Hab viele, viele Stunden meines Lebens überlegt, welches denn nun mein Liebling aus der Bücher-Hundertschaft der Nöstlinger ist. Nun denn: Hugo, das Kind in den besten Jahren.

Verfilmung natürlich Konrad aus der Konservenbüchse von 1988 mit Violetta Ferrari als Berti Bartolotti und Heinz Schubert als Apotheker Egon.

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