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Kalt, warm, heiß, Treffer! 26. Februar 2015

D'angelo

Manchmal spüre ich unvermittelt, wie ein Wortbild ein Gefühl so sehr auf den Punkt bringt, dass ich dem Erfinder tiefen Respekt zollen möchte. Treffender als „Stehe mir grad die Beine in den Bauch“ hätte zum Beispiel meine Statusmeldung vorgestern Abend so um halb Neune im Docks nicht ausfallen können. Waren zwei harte erste working class hero Tage der Woche gewesen, dazu wenig Schlaf. Dienstag abend erschöpft in die Plateau-Stilettos geschlüpft, denn anderes Schuhwerk ist für einen D’Angelo-Konzertbesuch, zu dem wir uns aufmachen, nicht denkbar.

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Während Männe den Wagen parkte, spazierte ich schon mal in den Saal, okay quetschte mich rein, denn es war überausverkauft. Aber eben auch genau so, wie es sein muss. Die Hälfte des Auditoriums war schwarz, viele hanseatische Musiker, Smudo et al, anwesend. Alle hatten richtig Hunger auf die Musik und darauf, sich schon am Dienstag aus dem Alltag zu zappeln. Und dann standen wir uns eineinhalb Stunden erwartend die Beine in den Bauch, auch das großartig. Jammernde Gelenke, stöhnender Nacken, gedrängelte Schultern, Geschiebe, Bierbecher über Köpfe jonglieren und ganz, ganz schlechte Luft. Plötzlich sind neun Leute auf der Bühne und knallen Dir nach sechs Sekunden die Taktung der nächsten Stunden vor den Latz: dance, dance, dance, dance, dance. Ich mag sowas und wenn die Musik in den Körper kriecht ist die Warterei bei mir auch sofort vergessen, ganz wie die Erschöpfung. Denken kann ich dann weglassen, tanzen geht immer.

Und noch etwas passiert nur bei solcher Art von Konzerten. Ich stand ja mitten drin im vollgepackten Saal und mein Mann kam nach. Handy hatte ich zuhaus liegen lassen (müd halt). Dachte ganz im Soulmodus: Wenn er mein Mann ist, wird er wissen, wo ich stehe. Um an meiner Seite aufzutauchen, brauchte er keine 15 Sekunden und nur vier Worte, um mich erneut auf ihn einzuschwören:

kalt, warm, heiß, Treffer.

Und natürlich sein Lächeln.

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Musik kann ich nicht beschreiben, will auch niemanden neidisch machen. Nur soviel: Der einzige Weiße und Schlaks auf der Bühne war Pino Palladino, der Mann am Bass und unser neuer Superhero. Mr. Palladino ist italienischer Abstammung und kommt aus dem Walis. Seine Familie, harte englische Arbeiterklasse, stand während des Konzertes hinter uns und machte die lustigsten Kommentare der Welt. Oben gab P.P. versunken dem Neo-Soul-Sound seines derzeitigen Arbeitgebers den entscheidenden Schliff. Und was noch wissenswert ist: Pino Palladino hat am 17. Oktober Geburtstag, ganz genau wie ich.Wie sich die Kreise mal wieder schließen, mann o mann.

 

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