CP-BLOG

Ich verehre ihn! 13. April 2013

Einer der coolsten Briefe, die ich jemals gelesen habe.

„Dass ich kein Mann der Aufträge bin“, schreibt Wolfgang Koeppen an Hilde Domin. Sie nölte ihn an, weil er vom Spiegel ihr Buch zur Rezension bekam und diese nicht abliefert. Er wird den Text „einer guten Stunde vorbehalten“ teilt er ihr mit, denn das sei unter gebildeten Menschen ja wohl so üblich. Tja, und wenn die Stunde ein Jahr auf sich warten lässt, dann, Babe, ist das eben so. Interessiert doch eh keine Sau. Geld hat er allerdings auch keines mehr. Was kein Grund für ihn ist, seinen Arsch zu verkaufen. Punk war im Oktober 1968 offensichtlich schon angekommen in Deutschland. Was für eine grandiose Zicke er doch ist.

Mag literarisches Backstage-Material. Als ich meine Abschlussprüfung über die „Ästhetik des Widerstands“ (wenn schon, denn schon) vorbereitete, las ich parallel die Notizbücher von Peter Weiss. Dort lief neben der Hardcore-Litproduktion das Leben weiter. Große Erleichterung, als ich las, dass er mit Steinen im Gebüsch am See hockt, um aus der Deckung Motorbootfahrer zu beschmeißen, deren Kacklärm in unendlich nervt.

Bin sicher, Weiss hätte heute ein Blog. Gerade weil ich so viel schreibe zurzeit, ist es gut, sich hier locker und schnell aus der Hüfte des Rahmens zu versichern: Ja, es gibt Musik, Getränke, Freunde, Feinde, Tage, Nächte, sowas wie Wetter.

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