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Ich bin eine Republikanerin 27. April 2017

Aufmacher

Ich lese gern gute Zeitungen, nur leider sind sie immer schwerer zu finden. Gruner verkauft mit chefkoch.de lieber Topflappen als Journalismus, über Springer müssen wir gar nicht reden und in der taz werden die guten Autoren immer rarer. In der Schweiz sieht es publizistisch noch düsterer aus und deshalb ist es besonders schön, was dort in den letzten Stunden passierte: Das Medienprojekt „Republik“  ging per Crowdfunding an den Start und hat schon nach einem Tag weit über eine Millionen Franken eingesammelt. 750.000 CH und 3.000 Abonnenten hatte man sich als Benchmark gesetzt, die den Sponsoren gegenüber eine Relevanz verbürgen sollten. Das ist passiert, die Menschen standen sogar Schlange, um teilhaben zu können. Ich bin auch sehr gern dabei, denn mir muss man nicht lange erklären, wie nötig es ist, die Demokratie gegen die Populisten – oder die Barberei, wie das Übel im Projekt R-Video genannt wird – zu verteidigen.

Wie oft habe ich in der letzten Zeit mit Freunden zusammengesessen und darüber diskutiert, warum immer nur die Rechten es verstehen, ihre Leute zu mobilisieren und warum nicht auch wir uns saftig und überzeugend stark machen für unsere Sache. Das ist dem Projekt R gelungen. Sie sind nicht die ersten, die unabhängigen Journalismus versuchen, doch sie scheinen aus den Fehlern der anderen gelernt zu haben. Man geht z.B. nicht wie die Krautreporter im Oktober 2014 mit einem Netz freier Autoren an den Start sondern mit einer festen Redaktion, die sich einig ist über die Stoßrichtung. Auch sucht man nicht nach den anderen, unerzählten Geschichten sondern will sich pragmatisch, das Team ist klein, zunächst auf das Wesentliche konzentrieren: unbestechlich und handwerklich versiert guten Journalismus zu den wichtigsten politischen Themen der Zeit zu machen. Da, wo die anderen rumeiern, will man sauber und klar sein, klug auswählen und informieren – damit wir Normalsterblichen uns fundiert entscheiden können. Firlefanz wie Feuilleton kann dann gegebenenfalls im nächsten Schritt folgen. So klar abgesteckt, so nötig.

Und, ja, natürlich ist das Video auch mit einem Seitenhieb auf das Corporate Publishing („fühlt sich an wie Journalismus, ist aber Werbung“) versehen. Doch wenn draufsteht was es ist und woher es kommt, darf das doch bei mündigen Bürgern kein Problem sein und unterhält im besten Falle sehr gut. Selbstverständlich macht das von Unternehmen finanzierte Publikationswesen unabhängigen Journalismus nicht obsolet. Ganz im Gegenteil. Wichtig ist, dass er weiter frei von Einflussbegehren finanziert wird.

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