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Ach, Suzy! 21. Juni 2013

Ist mir zunehmend Stulle, wenn Leute „Die Spanier …“, „Die Frauen …“ oder „Die Fashion-Blogger“ sagen, um dann Weisheiten zu dieser Gruppe vom Stapel zu lassen. Zu der man selbst natürlich nie gehört. Der Doofpöbel sind immer die anderen. Ein breites Blogger-Bashing hat New York Times-Modebutterfly Suzy Menkes im Februar losgetreten. Der Tenor, übersetzt auch in der SZ nachzulesen und zuletzt mit gewohntem Schmackes von Siems Luckwaldt aufgegriffen: Modegecken ohne Plan und Schamgrenze drängen sich in die Front Row und lassen sich von Designern und Marken ihre Meinung abkaufen. Nur weil sie mal ein bisschen gebloggt haben. Soweit so blub.

Und kleinen Moment mal. Seit wann ist der Journalismus ein Hort der Unbestechlichkeit? Habe selbst ein Weilchen im Reisejournalismus gearbeitet. Das Frühstück auf den durchfinanzierten Pressereisen war immer ne Schau.
Sonnige Terrasse in Luxusresort auf den British Virgin Islands, sechs gelangweilte Spesenritter am Tisch.
Journalist A: Also letzte Woche in Kapstadt – das Frühstück, ich sag’ Euch, ne Wucht. Omelettes aus Straußenei sind einfach nicht zu toppen.
Fotograf B: Und in Asien, der filigrane Service, das Lächeln, da kann man hier schon melancholisch werden …
Journalist C: Nächste Woche kommt meine Frau nach, bin mal gespannt, was die sich für uns haben einfallen lassen.
uswusf.

Und Suzy Menkes, nun ja, ist nicht gerade eine Frau, die das Grelle fürchtet:

Menkes

Hier lächelt sie an der Seite von Alber Elbaz, der auch noch nie Gefahr lief, an Graumäusigkeit zu ersticken. Nun stimmt die Mode-Madame ein Loblied aufs schwanenhalsige Gracekellytum an, aufs Understatement, aufs Weniger ist Mehr. Aber wer will schon, wenn er sich in Schale wirft, dass jemand vorbeiguckt? Mode ohne Glam, ohne Knall, ohne Übertritte und Ausrutscher, ohne fieseste Geschmacklosigkeiten ist wie Rocky rasiert, also Schlaftablette. Mode ist Federboa an Sahnetorte, ist heut bin ich der Mann und Du die Frau und morgen machen wirs andersrum. Ist Lust auf Abenteuer. Will, um mal auf den Punkt zu kommen, oft einfach einen Steifen machen. Ist dazu hammerdemokratisch: Oft sehen die mageren Checker ohne großes Geld am geilsten aus. Und so praktisch: Geht immer, sogar im Bus. Und Modeblogger sind im besten Falle Crazy Diamonds, die auf-, ge- und manchmal auch missfallen wollen. Menschen wie Tavi Gevinson haben unfassbares Talent, gehen mit leidenschaftlicher Leichtherzigkeit ans Werk und sind mir eine große Freude. Jedes kleine Bild von derartigen Glam-Revoluzzern ist besser als jeder Menkes-Text.

Klar gibt es die Ausverkoofe, aber wo gibt es die nicht? Sie ist in der Mode eben nur ein bisschen bildlastiger als anderswo. Auch ich habe keine Lust mehr, aufgetakelten Modemuschis dabei zuzusehen, wie sie gierig Umsonstklamotten von Sponsorenbügeln ziehen, wie hier zuletzt bei Zalando:

Aber das ist doch noch lange kein Grund, die Welt nicht weiterhin differenziert zu betrachten. Leute wie Tavi werden immer besser und sie machen auch die Mode besser: Shine on, Babe!

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