CP-BLOG

5 Dinge, die letztens schön waren 13. April 2017

Aufmacher

Ich habe mich beruflich mit dem Thema Abenteuer zu befassen. Dabei geht es weniger um das Konzept, wegzufahren, um Neues zu erleben. Sondern eher darum, wie denn der Alltag abenteuerlich zu machen ist. Allein in Hamburg gibt es 13 Agenturen für Escape Games, bei denen man sich anmeldet, um gemeinsam andere zu befreien. Hat das etwas mit Abenteuerlust zutun? Oder eher mit der Sehnsucht, sich einer Gruppe in einer Aktion verbunden zu fühlen und eine klare, lösbare Aufgabe vor sich zu haben? Wieder mal eine dieser Puhhh-Fragen. Nähern wir uns also Schritt für Schritt an.

1 Tunnelblick

Auftritt

Wir, also das Team Companions, waren im letzten Jahr in den Hamptons und haben dort entdeckt, wie wichtig Musik uns allen ist. Im örtlichen Walmart haben wir für 34 Dollar eine Gitarre gekauft, damit herumgespielt und dazu gesungen. Nun habe ich beschlossen, dass wir als Band beim BCM in zehn Wochen in Berlin auftreten. Was auch passieren wird. Mein Motto: erst Auftritt klar machen, dann Instrument lernen. Und singen kann ich auch nicht, falls sich da draußen jemand gerade Hoffnungen machen sollte. Als mich kürzlich jemand fragte, ob ich nicht beunruhigt sei, vor immerhin 1.000 Leuten ohne große Könnerschaft auftreten zu wollen, fiel mir auf, dass ich diesen Aspekt noch gar nicht bedacht hatte. Weil ich mich einfach so auf die ganze Aktion freue. Der von mir konsultierte Kollege, ein erfahrener Bühnenmann, meinte nur: Ach, dann schüttelst Du Dich kurz, setzt den Tunnelblick auf und los geht’s. Hejjjj, Abenteuer kann man planen.

2 Hoppla

Hoppla

Kürzlich war ich mit unserer ältesten Tochter im Tapasladen unserer Wahl, um das Abendbrot zu holen. Bei ihrem Anblick rutschte dem jungen Mann hinter dem Tresen das Glas aus der Hand, das er gerade putzte. Er wurde rot, weil er offensichtlich aus der Fassung gebracht war. Das erinnerte mich zwangsläufig daran, dass unsere Tochter sehr hübsch und es ja Frühling ist. Und wie schön es ist, wenn Menschen sich so aus dem Konzept bringen lassen. Und dass meine Tochter das noch gar nicht weiß, den ganzen Wahnsinn noch vor sich hat. Aufregung ohne Ende und kein Alltag in Sicht.

3 Wollt Ihr es wissen?

Unser Sohn geht sehr gerne zum HSV in den Volkspark. Weil man seinen Verein wahrlich nicht erfolgsverwöhnt nennen kann und niemand so recht zu erklären weiß, warum das schon so lange so ist, ist das Ende dieser Besuche immer offen. Auch die Erwartungen sind in keinster Weise fixiert. Wenn er zurückkommt, fragt er uns „Wollt Ihr es wissen?“ und brennt darauf, uns seine Version des Spiels zu erzählen. Die sich immer und unbedingt von der offiziellen Berichterstattung unterscheidet. Das ist nicht vorsätzlich so, denn er kennt die Medienfassung ja nicht. Das ist der Unterschied zwischen Fan und Profi. Der eine wird vom Abenteuer gefunden, der andere nicht.

4 Blaue Stunde

Serdar

Das Leben als Komödiant scheint der Hübschigkeit nicht zuträglich zu sein: Martin Sonneborn und Serdar Somuncu (rechts)

„Die Blaue Stunde“ ist ein Sonntagstalk auf RadioEins mit Serdar Somuncu. Der passt deshalb so gut zum Thema Abenteuer, weil ich mir bei ihm nie ganz sicher bin. Er legt es darauf an, alles was Mitte, Konsens und Manufactum-Zone ist, zu klatschen, wie er es wohl nennen würde. In seinen schlechten Momenten ist er wie diese Models, die immer sagen, dass sie in den Shootingpausen Marcel Proust lesen. Er mimt den Asi, der zu seiner Kaffeemaschine Nutte und zu seinem Pimmel Moderationsprügel sagt. Um uns im nächsten Moment Quellenstudium und Differenzierung in Sachen Türkeibeurteilung zu empfehlen. In den besten Augenblicken kommt er mit einer tollen Art der Stellvertreteraufregung um die Ecke oder mit einer wohlbegründeten Begeisterung beispielsweise für Japan, die ich uneingeschränkt teilen kann. Seine Musikauswahl ist immer so „Whhhhhaaas?“, so überraschend spitze, dass ich darauf verzichtet habe, seine Sendung als Podcast beim Laufen zu hören. Da es sich die Sender offensichtlich heutzutage nicht leisten können, in den Podcasts die Musik mit auszuspielen, überkam mich schon beim ersten Mal ein trauriges Amputationsgefühl und ich beschloss, „Die Blaue Stunde“ fortan live mit meinem Mann auf dem Sofa zu hören. Dabei kommen wir dann in Stimmung und beginnen zu fummeln, was wir aber dauernd unterbrechen, weil wir so lachen müssen, dass wir einfach nicht weitermachen können.

5 Hejjjj now, Ostern

Auch diese Beiden verlieren den Faden, was das Ganze noch hinreißender macht.

Eines der größten Abenteuer ist es für mich, Leute, die ich als doof beiseite geschoben habe, mit neuen Augen zu sehen und mich für sie zu erhitzen. Miley Cyrus hielt ich bislang für ein überschrilltes Spektakelnudelholz. Ihre Backyard Sessions auf Youtube haben mich nun zum Fan gemacht. Im Duo mit Ariana Grande sehe ich zwei Frauen, die eine Sache bestechend gut können: singen. Natürlich posen sie auch rum, aber ich bin jemand, der das null verwerflich findet und in guten Momenten sogar für eine Kunstform hält. Beim Zugucken überträgt sich das Mausbär-Feeling der Beiden auf mich, voll schön. Ich glaube ja daran, dass die Konfrontation mit schönen Dingen uns selbst schöner macht. Das springt automatisch über, wenn man sich nur schrankenlos hingibt. Deshalb möchte ich Euch ein Osterprojekt ins Nest legen: Guckt Euch die Happy Hippie Presents von Miley Cyrus an, insbesondere natürlich ihre Version von „Jolene“. Und Sonntag um 16 Uhr findet Ihr Euch dann pünktlich zu Serdar Somuncus Blauer Stunde auf dem Sofa ein. Utsukushī īsutā!

 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • (wird nicht veröffentlicht)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>


fünf + 1 =