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Der Spiegel, och nö 12. Januar 2015

Zitat Was mich an der Zeile von Lily Allens Liebeslied so berührt, ist, dass sie eben weit über die Liebe hinausweist. Dieses sich ganz stark und dem rauschenden Wahnsinn gewachsen fühlen ist eine Rüstung, die einem eben nur echte Komplizen verpassen können. In erster Linie selbstverständlich der Komplize der Liebe. Aber auch die anderen Wegbegleiter sind unverzichtbar, um eine Kultur um sich herum lebendig zu halten, in der es sich existieren lässt. Die einem mit einer Geste, einem Blick und klaren Worten die Rückversicherung geben, die es eben immer wieder braucht, um nicht als Schreipunk mit dem Kopf an der Wand zu enden.

Deshalb geht das „Je suis Charlie“-Bekennertum auch absolut in Ordnung. Eine völlig unaggressive, erst einmal grundanständige Solidaritätsbekundung. Ja, genau, und da ist man eben wieder bei diesen völlig unhippen 70er-Ausdrücken und Ausdrucken, die in Plastikhüllen an die Haustür gepinnt werden. Unser Nachbar darf das, er ist Koch aus Frankreich. Mir selbst wäre es peinlich, den Slogan z. B. auf unserer COMPANIONS-Homepage zu platzieren. Weil man mit sowas eben einfach keine Geschäfte macht und die Geschäftemacherei ja heutzutage die Dinge schneller aggregiert als Puddingpulver die heiße Milch.

Das sieht man beim Spiegel offensichtlich anders. Da wurde flugs ein die Charlie Hebdo-Berichterstattung flankierender Ganzseiter in der taz geschaltet, da bekommt man viel Platz für wenig Geld.

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Es ist schon sehr klebrig, wie der Spiegel hier damit angibt, „Keine Angst vor der Wahrheit“ zu haben und sich eilig in eine Tradition stellt, zu der er nie gehörte. Der Spiegel ist Leitmedium, ist Masse, ist auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin Europas. Charlie Hebdo ist wilde, böse Nische, die niemals mehr als 60.000 Auflage schafft, eben weil sie immer gegen und nicht mit der Masse kalkuliert. Möglichst unkorrumpierbar zu leben, um stets überzeugend mit dem Zeichenstift auf andere zeigen zu können, das ist das Fundament dieser Art von Publizistik. Das hat mit dem Spiegel-Modell so wenig zutun wie Journalismus mit Corporate Publishing.

Artikel

Wie schön, dass links neben der Anzeige immerhin in der Kolumne von taz-Chefdenker Peter Unfried folgendes zu lesen ist:

„Deshalb ist es wichtig, die Strategien aufzuzeigen, die die Agenten des Paranoiawachstums aller Seiten betreiben. Die, die den Anschlag zu verantworten haben, weil sie Allah bedroht und die, die ihn nun für
ihre Zwecke instrumentalisieren, weil sie Allah angeblich fürchten. Und die, die noch ganz andere Interessen haben.“

Unter andere Interessen kann man hier getrost die Verkaufsinteressen des Spiegel subsummieren.

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