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Dabei wollte ich Weiberkram doch auch scheiße finden 13. April 2015

Aufmacher

Umwege sind unnötig. Es gab von zehn Jahren mal ein Männermagazin, das hieß Matador. Es war angetreten, dem guten alten Macho das Brusthaar zu kraulen. Meine Freundinnen und ich waren uns einig, dass echte Machos ihr Mag einfach „Stecher“ genannt und sonst im großen und ganzen die Klappe gehalten hätten. Das Ding starb dann auch einen stillen Tod. Jetzt liegt eine neue Strategie vor, mit der die Hengste sich neuen Auslauf verschaffen möchten: Sie nennen es Weiberkram. Kerle wie Chefredakteur Michael Köckritz setzen an, uns Frauen zu erklären, wie wir sind. Oder sie uns sehen. Oder sie wollen, dass wir denken, dass sie uns sehen. Das immerhin auf 250 kurvig gestalteten Seiten – man widmet sich bei der herausgebenden Agentur Red Indians sonst vorwiegend dem Thema Auto. Fest steht: Das Mag ist nichts für Leser der Heritage Post, wer hier Bart trägt, orientiert sich an Thomas Magnum und nicht an Thomas Pynchon. Das an sich doch schon mal ein bisschen sympathisch.

Oualitätsmedien, Süddeutsche et. al und Quali-Blogger haben das Magazin ordnungsgemäß verrissen. Okay, Cover und Editorial sind tatsächlich ein bisserl doof. „Die wunderbare Welt der starken Frauen“ wird titelillustriert mit einer Dame, die von einem Astronauten auf Händen getragen wird, harharhar. Und Herr Köckritz, der immer ein bisschen wie durch David Hamiltons Weichzeichner gejagt aussieht, tut im Editorial so, als hätten ihn Frauen gebeten, so etwas Schönes wie das Automag Ramp auch mal für sie zu machen.

Als ob.

Nachdem man diese Hürden genommen hat, wird es allerdings unverhofft lustig. Horst Evers hat einen tollen Text über das Streiten mit seiner Liebsten geschrieben. Sie ließ ihn im neu anprobierten Anzug durchs Kaufhaus marschieren („Ein Anzug beweist sich im Gehen.“), um sich mit seinen Sachen, Handy und Brieftasche selbstverständlich inklusive, aus dem Staub zu machen. Der Grund: Ein 14 Jahre zurückliegender Fauxpas von ihm. Er geht natürlich davon aus, dass sie irgendwann wieder aufkreuzt. Tut sie aber nicht. Und auch die Verkäuferin will ihn nach einer Orgie des Anprobierens irgendwann los sein: „In der Gardinenabteilung ist übrigens gerade Aktionsverkauf. Wollen Sie nicht auch noch alle Gardinen anprobieren?“

So Spitzensätze dürfen Frauen in Brigitte und Freundin nicht sagen. Dort soll uns die weinerliche Mittelmäßigkeit einer Ildikó von Kürthy statt die Schlagkraft einer O’Ren Ishii repräsentieren. Und nie das nächste Mittagessen aus dem Blick verlieren. Die Frauen in Weiberkram sehen jedenfalls nicht so aus, als wenn sie sich lange in der Küche aufhalten. Und wenn, dann nur, um ihrem Astronauten bei der Zubereitung ökologisch korrekter Speisen zuzuschauen. Und ihm dabei Ratschläge zu erteilen.

Meine Lieblingsgeschichte hat Wladimir Kaminer über seinen Freund Jürgen geschrieben. Der besitzt die Kneipe Ost Bär in Berlin und bekommt eines Tages einen Anruf von Madonna – also ihrem Management – weil die seinen Laden für eine spontane Feier mieten wollen. Jürgen grübelt lange, wie viel Geld er von Madonna verlangen soll und beginnt in weiteren Überlegungen, sich immer mehr mit dem Material Girl zu identifizieren.

Von der Häppchensammlung „Pipi, Hunger, Kalt“, in der frauentypisches versammelt ist, hatte ich schon gelesen. Frechheit, dieser Titel, schimpfen kluge Leute. Muss jedoch zugeben, dass auch ich manches Mal genervt bin, wenn ich mit Freundinnen durch die Nacht ziehe und die alle fünf Minuten aufs Klo müssen. Außerdem sind die Grafiken witzig:

Scan

Inhaltlich ist also einiges erfreulich an Weiberkram. Was nervt, sind die Bilder. Das kommt alles ein bisschen wie die Max 1992 daher und zwischendurch hatten wir ja immerhin schon Tempo. Jerry-Hall-Giraffenfrauen, die nach güldenem BlingBling und viel Waschbrettbauch verlangen. Dabei hätten die Jungs sich doch nur die Bilder der wirklich coolen Ladies, die mit dem gewissen Etwas, denen sie immerhin 13 Seiten widmen, etwas genauer anschauen sollen: Solche Frauen wollen Boyfriend-Handschuhe statt angeklebter Nägel, Kopfhörer statt Chanel-Clips (oder mindestens beides), ne Honda und nen Bootsführerschein. Und sie haben den Mund meist zu und nicht auf wie in den WK-Strecken.

Und dann blättert man fünf Seiten weiter und stößt auf ein Zitat vom Lieblingsmusikanten Jonathan Richman:

Jonathan Richman

„Well I don’t want some cocaine sniffing triumph in the bar/ well I don’t want a Triumph in the car/ I don’t want to make a rich girl crawl/ what I want is a girl that I care about or/ I want no one at all …“.

Tja, und da sind wir mit einem Herzschlag alle gar nicht mehr so weit voneinander entfernt.

Kram, den ich übrigens zurzeit schlecht entbehren kann:

Nagellack für meine Vespa, von Hauke aus der Rollerambulanz.

Hauke

Das sind Haukes Tasten, in die er haut, wenn er kassiert. Der Mann hat keine Zeit für Umwege: He just cares.

 

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