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Ach jaha, der Stern 24. April 2013

laufinsglueck

Wenn ein mit großer Welle gepimpter Kiosktitel nix Besseres hinkriegt, als ein Corporate Magazine, das ja bekanntlich kostenfrei zu haben ist, muss was schief gegangen sein. Es kann ja passieren, dass man zufällig einen Monat später aufs gleiche Wording kommt wie die Kollegen von Burda. Aber dass es passiert, zeugt eben auch von der Fadheit der Gedanken, dem Dünger der Austauschbarkeit.

Aber wer wollte, wenn er einen Blick auf die Ökonomie der Veränderung beim Stern warf, auch anderes erhoffen? Weniger als eine Millionen Euro soll die Modernisierung des Stern gekostet haben. Beworben wurde die Politur mit dem 25-fachen Etat. Wenn Danone einen Schuss grünen Tee in den Zitronenjoghurt kippt und den Mix zum neuen ©Life’n’Balance-Jogh hochjazzen will, wird in ähnlicher Verhältnismäßigkeit vorgegangen. Content follows Commerce, klappt ja auch oft, mindestens für einen Sommer. Die neue Rezeptur des Stern sollte das Blatt „Modern.Groß.Planbar“ machen. Groß find’ ich gut, mit modern und planbar kann icht nichts anfangen.

Fest steht nach vier oder so Ausgaben, dass recht viel Neonida in den Stern gekippt wurde. Das lässt darauf schließen, dass er in erster Linie das schaffen soll, was Menschen nicht können: jünger werden. Nicht wilder, tiefer, funkelnder oder verstörender. Ins Auge springen bunte Kreise, viele bunte Kreise mit Prozentzahlen drin, eine „Tanzspalte“ (darunter hatte ich mir – recht lendengesteuert – mal wieder was Aufregenderes als eine schmale, zusätzliche 7. Layoutpalte vorgestellt) und eine gewisse Portiönchenhaftigkeit. Wenn was länger erzählt wird, findet es mit kühl kalkulierendem Kopf ins Blatt. Die Geschichte der Top-Digimanagerin Sheryl Sandberg war in Amerika ein Bestseller und wird in Deutschland direkt nach dem Stern-Artikel verlegt: Da kann man nix falsch machen. Das gleiche Schema im nächsten Heft. Die Geschichte des Vaters, der mit seinem autistischen Sohn auf der Harley um die Welt gurkt war in Italien ein Bestseller und ist in Deustchland noch nicht erschienen. Der Stern besucht und interviewt die Autoren zwar, aber die Geschichten lesen sich wie Vokalbelabfragen.
Repeat-Journalismus.
Die Papst-Spurensuche in Buenos Aires ist nett geraten, könnte aber genau so auch in der Brigitte stehen. Einmal durch den G&J-Weichspüler gejagt, klar, man hat aus dem Scheitern des Jungsmag Spiegel Reporter gelernt: Die Frauen müssen mit. Doch warum werden die Autorenbilder gezeigt, wenn sie in den Texten doch gesichtslos bleiben müssen? Vielleicht um zu beweisen, dass der Stern für die investierte Mio. nicht einfach Summly verkehrtrum entwickeln und das Blatt füllen ließ: Eine Reportly-App, die reingefütterte Stichworte und dramaturgische Bausteine zu Standardstorys zusammenfügt: Business-Bitch unterliegt zuhause gern beim Brettspiel, Nerds bringen’s ohne Mami dann doch zu nix (F-points), Gr. 44 ist genauso sexy wie 34 (F-Points), Regeln brechen macht Spaß – in Italien.

Ach, was soll’s. Alle Freunde, die fernab der Medienwelt ihre Brötchen verdienen, zuckten nach dem neuen Stern befragt, mit den Schultern: „ Ähhh, ist da jetzt was anders?“

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