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5 Begegnungen, die letztens schön waren 21. September 2017

aufmacher-fuenfdinge

Anke

Wie hat ein Türgriff zu sein, wie ein Auto, eine Tasche, ein Schuh, eine Jacke? Im Design galt lange „Form follows function“ als wegweisend. Dann kam Pop und mit ihm die neue Saftigkeit, die laut „Ich will“ statt „Gut für alle“ schreit und diese und ähnliche Formeln wie die nach „Objektivität im Journalismus“, nun ja, reichlich unattraktiv aussehen ließ. Gegenstände ebenso wie Texte funktionieren nicht nur, sie berühren uns, wenn sie was taugen. Vernünftig ist da nicht das neue schlau. Guter Journalismus ist immer auch Literatur, gutes Design poetisch. Der Ort, von dem wir kommen und die Art, mit der wir uns aufladen, lässt uns die verwendete Zeichensprache verstehen: Welchen Filmen, Texten, welchem Sport, welcher Musik widmen wir Zeit? Alexander McQueens Kollektionen bleiben, nur ein Beispiel, ohne das Wissen um seine Herkunft unverständlich. „Würde es Holly Golightly gefallen?“, kann also als sehr plausible Design-Guideline genommen werden.

Anke weiß das.

Ich lernte sie kürzlich vor ihrem Flohmarkttisch kennen. Wenn sie einen Laden betritt, greift sie garantiert zur teuersten Vase, dem exquisitesten Rolli, der luxuriösesten Tasche. Den Gegenständen, in denen am meisten Golightlyness steckt. Luxuslabels sind kein Garant für derartige Qualität aber sie erfordert ein gewisses Produktionsniveau: Zeit, Reife, Können, Reinheit, manchmal auch: Limitierung. All das ist teuer. Ach ohne für eine Birkin Bag 16.000 Euro zu zahlen – und das für eine 2. Hand-Version – weiß Anke sich so zu kleiden, dass sie Menschen wie mich glücklich macht mit ihrer Liebe zum Detail, ihrer Stilsicherheit ihrer unschlagbaren Kombinatorik. Jüngst durfte ich davon profitieren und flüstere nur: Danke, Anke – in einem Herr von Eden Styling, dass Dir gefallen dürfte!

Claudia

Peter

„Meine Ohren stehen proportional im optimalen Verhältnis zum Schnitt meiner Augen und dem Schwung meiner Oberlippe. Wenn Du mich also küssen möchtest, teilst Du diesen Impuls mit 87,3 % der Menschen in diesem Raum“: Peter ist ein Mann, der weiß, dass nur Loser in Sachen Verführung zu solchen Argumenten greifen. Jemandem oder etwas zu verfallen,  das hat nichts mit Information und in der Regel auch nichts mit Worten zutun. Kate Moss gibt keine Interviews. Muss sie auch nicht. Sie wurde in dem Moment unsterblich, als sie für „Obsession“ auf einem Samtsofa liegend abgelichtet wurde.

Obsession

Das kann nur Werbung: Dir zeigen, dass die Kühle des Samtes auf Deiner Haut genau das Gefühl ist, nach dem Du Dich eigentlich immer gesehnt hast. Und das Du ab sofort immer mit Dir herumtragen möchtest. Den Flakon kann man, muss man aber nicht zeigen. In gleicher Tradition steht das neue Motiv, das für die Frühjahr/Sommerkollektion 2018 von Jacquemus wirbt. Es ist dabei nicht vonnöten, Kleidung zu zeigen. Der Kopf ist hier ja nicht das Ziel. Peter ist so ein Bogenschütze der Werbung, der auf die tieferen Schichten zielt und dabei von sich sagt, dass ihm Materielles wumpe ist. Warum ist das bei ihm kein Widerspruch?

Jacquemus

Kai

Die Welt stringent als eine Art chemisches Labor für künstlerische Versuchsanordnungen zu betrachten, ist nicht jedem gegeben. Für meinen Freund Kai ist dieser Blickwinkel der einzig naheliegende. Im Nachgang des Gipfel-Wahnsinns schrieb er mir: „Ich hatte gestern noch G20 Finissage. Laptop gemopst. Herrlich.“

Kai

In dem Auto war mal eine Scheibe und der Laptop von Kai.

Alastair

„The importance of jumping in rivers“, heißt eine der Lectures von Alastair Humphreys. Bei Wikipedia lautet die ersten beiden Sätze zu ihm: „Alastair Humphreys (* 27. November 1976) ist ein britischer Abenteurer, Autor und Radfahrer. National Geographic kürte ihn 2012 zum Abenteurer des Jahres.“ Man muss wissen, dass bei Humphreys ein „Micro-“ vor dem Abenteuer steht, denn ihm geht es nicht darum, den Globus in 2,5 Std. 3 x zu umrunden oder mit den Sandflöhen in der Wüste Gobi zu tanzen. Ihm geht es um die Abenteuer vor der Haustür, den Adler in Buxtehude, den nur sieht, wer tatsächlich mal die Augen aufmacht im Revier Heimat. Weil das auch ökologisch noch wertvoller ist als das Kompensieren von Flugmeilen, haben wir Herrn Humphreys zum re:MIND Kongress eingeladen, den wir für OTTO im Rahmen unserer redaktionellen Steuerung des re:BLOG organisieren. Ich werde auch Hella Kemper dazubitten, die das schöne Buch „Bekenntnisse einer Elbschwimmerin“ geschrieben hat. Bin mal gespannt, was die Beiden antworten, wenn ich sie frage, ob sie Lex Barker nicht auch für den einzig wahren Tarzan halten.

Alastair

Stefan

Der Mann ist tatsächlich der Meinung, dass mir eine YAMAHA TY 50 besser steht als eine Vespa. Und sein Nachname ist tatsächlich: Reifenrath. Also wenn er nicht weiß, welches Fahrgestell unter meinen Hintern gehört, wer dann? Und allein schon die Vorstellung, mit diesem Spielzeug-Moped über die Reeperbahn zu düsen, macht mir gute Laune. Und das Essen, bei dem wir das besprochen haben, war auch ganz fantastisch: Wenn Ihr jemanden glücklich machen möchtet, ladet ihn die Tage zu Holunderblüten-Risotto mit Blaubeeren und gebratenen Pfifferlingen ins Schauermann in der Hafenstraße ein. Der Besitzer heißt übrigens auch Stefan.

Yamaha

Und weil bald Wochenende ist, gibt es für alle diese fünf Beautiful People – und für Euch, Companeros – ein Bild, das Euch sanft in die freien Tage sinken lässt:

LOVERS

 

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