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The 0028792x 31. Oktober 2016

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Manchmal kaufe ich mir den New Yorker. Es ist ein Magazin zum Lesen, nicht zum Angucken. Es wird von Denkern und nicht von Strategen gemacht. Und es geht mir sofort besser, wenn ich meine Nase hineinstecke. So auch jetzt. Auf dem Cover der aktuellen Ausgabe ist Bob Dylan zu sehen. Als eine Art Scherenschnitt, reduziert auf die elementaren Insignien (Sonnenbrille, Locken, Mantelkragen) seiner 1966er-Phase und gerade deshalb deutlicher zu erkennen als auf einem Foto. Im Magazin jedoch: kein einziges Wort zu Dylan. Wie könnte mit mehr Nonchalance dessen Schweigen zur Verleihung des Literaturnobelpreises thematisiert werden?

So werden wahrhaft elegante Magazine gemacht. Kein Wunder, dass der New Yorker noch immer über eine Millionen Abonnenten hat. Das liegt nicht am weltweit verbreiteten Bedürfnis in das Romantik-Volumen seiner Stadt einzutauchen. Der Grund ist auch nicht, dass sich mit dem schmalbrüstigen 90-Seiter in der Hand urbane Reputation aufbauen ließe. Dazu sind seine Seiten zu grau, die Illus zu sehr auf dem ästhetischen Niveau der im Schnitt 51-jährigen Leserschaft. Es ist die Attitude, Schreihalsigkeit niemals nötig zu haben und unbedingt auf intellektuelle Distanz zu setzen. Das tut gut in Zeiten, in denen zu viele Bilder, zu viele Headlines und zu viele Meinungen kursieren.

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